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2006 – The Impact of Living-Related Kidney Transplantation on the Donor’s Life

Quelle: Zeitschrift: „Transplantation 2006, Volume 81, Number 9, May 15″

Die Auswirkungen der gerichteten Lebendnierenspende auf das Leben des Spenders
Autoren:

Jens Reimer (1,4), Anne Rensing (2) , Christian Haasen (1) , Thomas Philipp (2), Frank Pietruck (2), Gabriele Helga Franke (3)

Beteiligte Institutionen:

1 Department of Psychiatry and Psychotherapy, University Medical Centre Hamburg-Eppendorf, Germany.

2 Department of Nephrology, School of Medicine, University Hospital Essen, Essen, Germany.

3 Rehabilitation Psychology, University of Applied Sciences Magdeburg-Stendal, Stendal, Germany.

4 Address correspondence to: Jens Reimer, M.D., University Medical CentreHamburg-Eppendorf, Department of Psychiatry and Psychotherapy, Martinistrasse 52, D-20246 Hamburg, Germany.

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Eine zweite Veröffentlichung der Studienergebnisse erfolgte unter dem Titel

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Nierenlebendspendern nach erfolgter Spende

Zeitschrift: Zeitschrift für Medizinische Psychologie 1/2008

Autoren:

Gabriele Helga Franke (1), Anne Rensing (2), Jens Reimer (3), Andreas Kribben (2), Frank Pietruck (2), Thomas Philipp (2)

Beteiligte Institutionen:

1 Studiengang Rehabilitationspsychologie, Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Standort Stendal.
2 Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinikum Essen.
3 Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

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Die Daten der Studie wurden in der Universitätsklinik Essen erhoben. 

Es handelt sich demnach um eine interdisziplinäre Studie. Studienergebnisse wurden im Rahmen eines Vortrages, der 2005 in Dresden auf der Fachtagung „Psychonephrologie“ gehalten wurde, vorabveröffentlicht.

„Die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Nierenlebendspendern nach erfolgreicher Spende“ Download Vortrag 

Laut Studie nahmen 47 Spender an der Befragung teil. Ursprünglich wurden 65 Spender zur Teilnahme aufgefordert. Zehn waren nicht erreichbar, zwei lehnten die Teilnahme wegen „psychischer“ oder „körperlicher“ Schäden ab, sechs weitere lehnten ohne Angabe von Gründen ab. Im Dresdener Vortrag war von 13 Ablehnungen durch die angefragten Spender die Rede. Darunter sollen sich mehrere Spender befinden, bei denen das Organ beim Empfänger abgestoßen wurde.

Auf die veröffentlichten Studiendaten bezogen, gibt es einen sogenannten Follow-Up-Verlust von (18 von 65) 27,7 %. Ein Großteil der Follow-Up-Verluste beinhaltet nicht erfolgreiche Transplantationen und Spenderkomplikationen. Dies ist bei der Bewertung der Studienergebnisse beachtlich.

Die Befragung bezieht sich auf einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren nach der Spende. Wir fassen kurz diese Ergebnisse zusammen:

  • 11 von 47 Spendern sind behindert (23 %)
  • davon 9 schwerbehindert (19 %)
  • 4 Spender hatten spendenbedingte Familienkonflikte (8,5 %)
  • 3 schwere körperliche Probleme durch die Spende (6,4 %)
  • 1 mittel-starke körperliche Probleme (2,1 %)
  • 14 leichte körperliche Probleme (29,8 %)
  • davon 1 Spender mit geringerer Belastbarkeit (2,1 %)
  • 2 leichte psychische Probleme (4,3 %)
  • 1 starke psychische Probleme (2,1 %)
  • 2 würden nicht wieder spenden (4,3 %)
  • 9 Spender mit negativen finanziellen Auswirkungen durch die Spende (19,1 %)
  • 1 Spender wurde dialysepflichtig (2,1 %)
Die Ergebnisse wurden in der Studie „The Impact of Living-Related Kidney Transplantation on the Donor’s Life“ vereinfacht so zusammengefasst:
  • 28 % medizinische Komplikationen
  • 10 % familiäre Konflikte
  • 12,5 % (jeder achte) mit klinisch relevanten körperlichen Problemen
  • 25 % % finanzielle Probleme

Das Gesamtergebnis lautet unter Berücksichtigung des Fragebogens SF-36 zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und des Fragebogens BSI zur psychischen Belastung:

Gleichzeitig scheint die Lebendspende doch zu leichtgradigen Einschränkungen der Lebensqualität zu führen, und zwar in den Bereichen

·         Körperliche Funktionsfähigkeit (*1)

·         Emotionale Rollenfunktion (*2)

Dass die Studienautoren angesichts der Daten zu dem Schluss kommen, die Nierenlebendspende sei als „relativ sicheres Verfahren“ zu bezeichnen, ist nicht nachvollziehbar.

Berücksichtigt man nun noch die Follow-Up-Verluste, bei denen bei zwei Spendern weitere Probleme bekannt sind und für den Rest eine unklare Genese nach Nierenlebendspende festgehalten werden muss, zeigt sich, dass ein erheblicher Anteil der Nierenlebendspender bedeutende Probleme nach der Spende hat und dies schon im Vergleich zur an sich falschen Vergleichsgruppe der Normalbevölkerung. Da Spender hochvorselektierte Personen sein sollen, muss also von einem erheblichen Verlust an Lebensqualität im Vergleich zu den individuellen Ausgangswerten durch die Spende ausgegangen werden.

Dies deckt sich mit unseren Erfahrungen.

Für eine gewissenhafte Klinik muss es eine Selbstverständlichkeit sein, selbst erhobene Daten in die Aufklärung mit einfließen zu lassen. Weder in den damaligen Aufklärungsbögen, noch in den aktuellen Aufklärungsbögen werden diese Risiken klar benannt.

Schwerbehinderung, schwere körperliche Probleme und erst recht geringere Belastbarkeit sind unbedingt erwähnenswerte Risiken.

Der Hinweis, dass eine Nierenlebendspende zu Einschränkungen der körperlichen Funktionsfähigkeit (auch einer „leichten“) und der emotionalen Rollenfunktion führt, gehört ebenfalls unbedingt in die Aufklärung zu einer Operation, die keinen Heileingriff darstellt, sondern ausschließlich „Fremdnutzen“ generiert.

(*1) Die Dimension Körperliche Funktionsfähigkeit erfasst das Ausmaß der Beeinträchtigung körperlicher Aktivitäten wie Selbstversorgung, Gehen, Treppen Steigen, Bücken, Heben und mittelschwere oder anstrengende Tätigkeiten durch den Gesundheitszustand. 

(*2) Die Dimension Emotionale Rollenfunktion beschreibt das Ausmaß, in dem emotionale Probleme die Arbeit oder andere tägliche Aktivitäten beeinträchtigen; u. a. weniger Zeit für Aktivitäten aufbringen, weniger bewältigen und nicht so sorgfältig wie üblich arbeiten.

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