26. Juli 2014
Zuschrift eines Nierenlebendspenders, anonymisiert
Hallo Herr Zietz,
ich bin heute auf ihre Beiträge vom August 2011 im Transplantforum
aufmerksam geworden.
Ich habe im Jahr 2006 meinem Bruder meine rechte Niere gespendet. Der Eingriff wurde im Universitätsklinikum XY (anonymisiert) durchgeführt. Ich bin selber dort als Krankenpfleger in der Inneren Medizin tätig (Intensivstation) und muss leider sagen: Sie haben recht, es wird völlig unzureichend über die möglich Folgen und Risiken informiert, im Vordergrund steht der Wunsch einen willigen Lebendspender zu finden. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich würde meinem Bruder jederzeit wieder meine rechte Niere spenden. Es geht ihm seit der Spende hervorragend und wir hatten und haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Aber auch mir wurde, selbst auf Nachfrage, immer wieder versichert, dass nach 5 – 6 Wochen alles wieder wie vorher sein würde und ich mein gewohntes Leben fortsetzen könne.
Tatsache ist aber: Ich hatte und habe im Bereich der Narbe Missempfindungen und Taubheitsgefühle sowie bei Wetterwechsel deutliche Narbenschmerzen. Bereits ein Jahr nach der Spende entwickelte sich bei mir ein behandlungsbedürftiger Hypertonus. Um meine Blutdruckwerte unter 140 mm/HG systolisch zu halten muss ich Ramipril 5 – 10 mg/Tag einnehmen. Ich hatte; nicht nur kurz nach der OP, sondern auch noch in den Jahren danach eine deutliche Leistungseinschränkung verbunden mit einer deutlichen Gewichtszunahme (von vorher 87 kg auf über 100 kg, ich musste meine sportlichen Aktivitäten wie Mountainbiken, Klettern und Bergwandern sowie Kampfsport deutlich reduzieren bzw. sogar ganz aufgeben).
Ich hatte und habe immer noch für mich zeitweilige Zustände von unerklärlicher Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwäche. Meine Kreatininwerte stiegen von 0,8 mg/dl vorher auf 1,6 mg/dl nachher und sinken erst jetzt Jahr für Jahr stetig wieder ab auf Normalwerte. Erst auf Nachfrage bei einem mit mir befreundeten Nephrologen (der auch bei uns am Klinikum arbeitete) erzählte mir dieser, dass dies bei ca. 33 % aller Spender der Fall sei.
Auch ich bin der Meinung, dass für die Spender viel zu wenig getan wird. Alle zwei Jahre ein Nachsorgetermin ist meines Erachtens nach viel zu wenig, ich lasse mich von meiner Hausärztin alle 6 Monate durchchecken, inklusive Ultraschall.
Der Gesetzgeber ist gefordert die Krankenkassen, die sich durch die Spende einen Menge Geld sparen, in die Pflicht zu nehmen und für Spender, die als Folge ihrer Spende gesundheitliche Einschränkungen haben, eine Versicherung abzuschließen die zumindest die finanziellen Folgen abfängt. Eine offene Diskussion zu der ganzen Thematik: „Probleme nach der Lebendspende“ ist mehr als überfällig.
Ich würde mich über eine Rückantwort sehr freuen
MfG