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11. Mai 2025

Wie kommen Sie darauf? Das entspricht überhaupt nicht meiner Erfahrung

 

11. Mai 2025

Ich habe eine Nachfrage zu Ihrem Newsletter 3-2025.

Sie schreiben über einen Spender, der nicht ausreichend aufgeklärt worden ist – auch ich halte eine gründliche Aufklärung für sehr wichtig! Sie schreiben weiter, er sei nach der Lebendspende niereninsuffizient und habe eine chronische Nierenerkrankung Stufe III, und weiter:

„Der Kläger leidet unter den typischen Folgen dieser Nierenfunktionsstörungen: Kognitiven Beeinträchtigungen, Erschöpfung, Müdigkeit. Zudem trug er weitergehende Einschränkungen entsprechend einem Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) vor.“

Das klingt so, als hätten Menschen im Stadium III üblicherweise die genannten Symptome. Wie kommen Sie darauf? Das entspricht überhaupt nicht meiner Erfahrung (ich bin seit vielen Jahren in Stadium 5, noch nicht an der Dialyse, GFR 9, und habe die genannten Beschwerden nicht) und auch nicht der Erfahrung der Menschen mit Niereninsuffizienz, die ich kenne. Sehr viele Menschen wissen in Stadium 3 noch gar nichts von ihrer Niereninsuffizienz, da sie symptomlos sind.

Ich wäre sehr interessiert daran, wenn Sie mir Ihre Quellen nennen würden, die dieser Aussage über die „typischen Folgen“ zugrunde liegt, denn ich möchte natürlich auch nicht, dass jemand, der mir eine Niere spendet, ein hohes Risiko für die eigene Gesundheit eingeht. Aber ohne genauere Angaben fällt es mir schwer, Ihrer Beschreibung der “ typischen Symptome“ in Stadium 3 zu glauben.

Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antwort! Herzlichen Dank vorab!

Antwort:

Guten Tag Frau K.,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Es ist sehr erfreulich, dass sie subjektiv keine Einschränkungen bei einem GFR von 9 mm/min verspüren. Dies dürfte eine seltene Ausnahme darstellen. Tatsächlich können je nach Konstellation bereits Ermüdungserscheinungen, sowie kognitive Einschränkungen bei einem GFR < 60 mm/min auftreten. Das sind nicht nur persönliche Beobachtungen unserer Mitglieder und deren Angehöriger, sondern diese Fakten sind durch vielfache Untersuchungen auch wissenschaftlich gedeckt. Hinzu kommt, dass bei einer „schleichenden“ Nierenerkrankung der Körper Zeit für die laufende Anpassung hat. Bei einem schlagartigen Nierenverlust kommt es „sofort“ zu einem Funktionsverlust von zunächst ca. 50 %. Das ist ein großer Schock für den Körper. Dauerhaft verbleibt im Durchschnitt die Nierenfunktion bei ca. 30 bis 40 % unterhalb des Niveaus vor der Entnahme.

Sie finden bei uns im Magazin auf der Website unter „Wissenschaft & Forschung“ zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema. Wir haben die überwiegend in Englisch verfassten Studien dort ausgewertet. Auch in einschlägigen Lehrbüchern zur Nephrologie wird dies beschrieben.

Link https://www.nierenlebendspende.com/magazin/

Ich hänge Ihnen zusätzlich noch Veröffentlichungen zu den möglichen Problemen unter CKD mit und ohne Nierenverlust in deutscher Sprache an diese Mail.
Bitte beachten Sie auch unser „Risikomanagement“ im Magazin. Dies ist für potentielle Nierenlebendspender sehr wichtig.

Mit freundlichem Gruß

Ralf Zietz

 

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