2019 – Patterns and predictors of fatigue following living donor nephrectomy: Findings from the KDOC Study
Quelle: American Journal of Transplantation 2019; 00:1‐9. doi.org/10.1111/ajt.15519
Muster und Prädiktoren für Fatigue nach Nierenlebendspende: Ergebnisse der KDOC-Studie
Autoren: James R. Rodrigue | Aaron Fleishman | Jesse D. Schold | Paul Morrissey | James Whiting | John Vella | Liise K. Kayler | Daniel A. Katz | Jody Jones | Bruce Kaplan | Martha Pavlakis | Didier A. Mandelbrot | the KDOC Study Group
Download Studie Deutsch (beglaubigte Übersetzung im Auftrage der IGN e. V.)
Die wichtigsten Aussagen (Übersetzung durch IGN e. V.)
Seite 1: (…) Müdigkeit ist ein häufiges Symptom nach einer Operation (…).
(…) In einer multizentrischen Studie an 230 niederländischen Nierenlebendspendern (LDKs) fanden Wirken et al. ein höheres Müdigkeitsniveau 6 und 12 Monate nach der Spende im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Spende. Höhere Müdigkeit schon vor der Spende, geringere körperliche Lebensqualität, jüngeres Alter und längere Krankenhausaufenthalte sagten mehr Müdigkeit nach 6 Monaten nach der Spende voraus. (…)
Seite 5: (…) Von den 155 Spendern, die eine Beurteilung 1 und 6 Monate nach der Spende durchführten, wiesen 50 (32 %) eine anhaltende klinische Müdigkeit auf, d. h. klinische Ermüdung zu beiden Zeitpunkten nach der Operation. (…)
(…) Von den 50 LKDs mit persistierender klinischer Erschöpfung nach 6 Monaten nach der Spende berichteten19 (38 %), dass sich die Erschöpfung bis zur 12-Monats-Beurteilung aufgelöst hatte, 26 (52 %) berichteten von anhaltender klinischer Erschöpfung nach 12 Monaten, und 5 (10 %) schlossen die Beurteilung nicht ab. (…)
(…) Von den 26 LKDs, die nach 1, 6 und 12 Monaten nach der Spende über eine anhaltende klinische Erschöpfung berichteten, berichteten schließlich 24 (92 %) nach 24 Monaten nach der Spende weiterhin über eine klinische Erschöpfung. Betrachtet man die gesamte KDOC-Stichprobe (n = 193), so berichteten 26 (13 %) und 24 (12 %) LKDs über anhaltende klinische Müdigkeit nach 12 bzw. 24 Monaten nach der Spende. (…)
(…) Müdigkeit nach einer Operation, einschließlich einer Spendernephrektomie, ist häufig und klinisch zu erwarten. (…)
Seite 6: (…) Bei Nierenlebendspendern, deren frühe postoperative klinische Müdigkeit mindestens 6 Monate andauerte, war deren Müdigkeit schwerer und schwächender als die so genannte „normale“ Müdigkeit, die bei Nichtspendern oder anderen Nierenlebendspendern auftrat. Ihre Müdigkeit beeinträchtigte eher die allgemeine Aktivität, die Arbeit innerhalb und außerhalb des Hauses, die Konzentrationsfähigkeit, die Beziehungen, die Stimmung und die allgemeine Lebensfreude. Bemerkenswert ist, dass die meisten dieser Nierenlebendspender vor der Spende keine klinische Müdigkeit aufwiesen. Während ein Drittel der Nierenlebendspender mit klinischer Müdigkeit nach 6 Monaten bei der 1-Jahres-Beurteilung über eine vollständige Rekonvaleszenz berichtete, waren wir überrascht, eine kleine Spender-Kohorte (n = 24, 12%) mit anhaltender klinischer Müdigkeit zu finden, die 24 Monate nach der Spende anhielt. Andere haben festgestellt, dass die Müdigkeit bei früheren Nierenlebendspendern mehrere Jahre nach der Spende noch immer vorhanden ist, aber dies ist die erste Studie, die über die Prävalenz einer bis zu 2 Jahre nach der Spende anhaltenden klinischen Müdigkeit berichtet. (…)
Seite 8: (…) Ungeachtet dieser Einschränkungen bestätigen die Ergebnisse die Einbeziehung des Müdigkeitsrisikos in die OPTN-Anforderungen zur informierten Einwilligung nach Aufklärung. Die Ergebnisse haben wichtige klinische Auswirkungen auf die Versorgung von Nierenlebendspendern und unterstreichen die Notwendigkeit weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen in dieser Population. (…)
Zusammenfassung und Bewertung
Veröffentlichung im renommierten American Journal of Transplantation (AJT).
Der Studienleiter James R. Rodrigue lehrt an der Harvard Medical School.
Die Studie hat ausschließlich klinische Fatigue untersucht.
Die Studie hat die Fatigue-Werte vor der Spende erhoben, hat somit also direkte Vergleichswerte.
Die Studie hat zum Vergelich eine gesunde Kontrollgruppe genommen.
Die Studienbeobachtung geht immerhin über 2 Jahre.
Die Studie weist klinische Fatigue im Bereich 1-6 Monate nach Spende bei ca. 60 – 70 % der Spender nach.
Die Studie weist klinische Fatigue bei ca. 12 % Bereich über mindestens 24 Monate nach.
Die Studie betont, dass diese langanhaltende Fatigue mehrheitlich bei Spendern auftrat, die vor der Spende keine Fatigue hatten.
Die Studie betont, dass diese langanhaltende Fatigue „stärker“ und „behindernder“ war als die sogenannte nnormale“ Fatigue der Kontrollgruppe oder der anderer Spender.
Die Studie betont, dass diese langanhaltende Fatigue bei den Spendern folgende Bereich im Leben stärker negativ beeinflusste:
– generelle Aktivität,
– Arbeit (Zuhause, Arbeitsstelle)
– Konzentrationsfähigkeit
– Beziehungen
– Stimmung
– Freude am Leben
Die Studie sieht es als Erfordernis („requirement“) an, dass vor einer Spende über das Risiko von Fatigue aufgeklärt wird.
Die Studie bestätigt, dass andere Untersuchungen Fatigue über 24 Monate hinaus beobachtet haben, die vorliegende jedoch erstmalig klinisch belastbare Daten für einen Zeitraum bis 24 Monate liefert.
Dies schließt nicht aus, dass das Fatigue-Syndrom deutlich länger anhalten kann, so wie von uns beobachtet. In nicht wenigen Fällen ein Leben lang.
Diese Studie weist in bislang nicht gekannter Form nach, dass eine neu aufgetretene, schwere Form der Fatigue persistierend bei 12 % der untersuchten Nierenlebendspender auftritt. Und insbesondere auch, dass diese schwere Art der Fatigue in der Kontrollgruppe und bei den sonstigen Spendern nicht zu finden ist.