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22. April 2025

Ich habe das Gefühl, dass vielen Menschen die möglichen Risiken gar nicht bewusst sind

 

22. April 2025

Hallo Herr Zietz,
wie in unserem Telefonat besprochen, gebe ich Ihnen eine kurze Rückmeldung und den Aufklärungsbogen als Anhang.

Am 03. und 04.04. war ich im Klinikum XY und wurde auf Herz und Nieren untersucht. Dabei ging jeder Arzt dort davon aus, dass ich gar keine Zweifel an dieser Spende hätte. Dr. X erklärte mir und S. dann, dass aufgrund seiner schlechten Werte (KREA 3,8 GFR 16 – diese Werte sind allerdings seit Jahren konstant) man schaut, wann die OP stattfinden wird. Auf meine Nachfrage erklärte sie, dass man nicht warten wird, bis S. an die Dialyse muss und somit auch nicht nach anderen (verstorbenen) Spendern suchen wird. Ich verstehe, dass für S. eine neue Niere so schnell wie möglich besser ist, fühle mich dadurch aber auch wie ein „Materiallager“. Es wird ja gar nicht geschaut, ob man eine OP an mir vermeiden könnte, indem man wenigstens ein halbes Jahr nach einer Tod-Organspende sucht.

Der Psychologin Y legte ich meine Zweifel an der OP dar. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass sie das eher störte. Ich erklärte, dass ich mich von der Klinik nicht gut betreut fühle, besonders was die Nachbetreuung angeht. Sie meinte, es gebe nach der OP noch ein Gespräch mit ihr und dann jährlich einen Check der Werte. Ich erwähnte natürlich meine Essstörung und dass ich seit mehr als 10 Jahren – und auch jetzt noch – zur Therapie gehe. Auf das Fatigue-Syndrom ging sie mit dem Worten ein, dass es auch Handwerker gab, die nach der OP wieder Vollzeit auf dem Bau arbeiten konnten. (Hinweis IGN: ist uns nicht bekannt!)

Ich fühle mich überhaupt nicht ernst genommen, eher als würde ich bei einem Test durchfallen. Ich erwähnte auch Ihren Verein, hatte jedoch das Gefühl, dass er ihr nicht bekannt sei. Sie meinte, ich könne ja gerne nochmal mit Ihrem Verein sprechen, sie jedenfalls gäbe mir nur ein „gelbes Licht“ (statt einem grünen), würde für meiner Psychotherapeutin ein Schreiben fertig machen (damit diese informiert wäre) und möchte mich in 3 Monaten nochmal sehen.

Den vorläufigen Arztbrief habe ich erhalten, soweit keine Auffälligkeiten. KREA 0,68 GFR 107 Nieren-Leistungsverteilung 48,5% und 51,5%.

Ich weiß ehrlich nicht, was ich machen soll. Ich fühle mich von den Ärzten bezüglich meiner Bedenken nicht ernst genommen. Auch weil sie gar kein Konzept für eine Nachbetreuung der Lebendspender haben. Es geht immer nur um den Patienten, der die Niere erhalten soll. Dabei würde ich doch m. E. durch meine Spende auch zu einem Patienten, und zwar ein Leben lang.

Danke, dass es Ihren Verein gibt. Ich habe das Gefühl, dass vielen Menschen die möglichen Risiken gar nicht bewusst sind oder sie sie ausblenden. Im Klinikum, auf der Transplantationsstation ist es jedenfalls gefühlt eine „Massenabfertigung“.

Grüße  

 

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