2018 – Gender disparity in health-related quality of
life and fatigue after living renal donation
Quelle: BMC Nephrology (2018) 19:377 Doi.org/10.1186/s12882-018-1187-8
Geschlechterunterschiede bei der gesundheitlichen Lebensqualität und Müdigkeit nach Nierenlebendspende
Autoren: Claudia Sommerer (1), Sarah Estelmann (1), Nicole G. Metzendorf (1), Maren Leuschner (2) and Martin Zeier (1)
1 Universitätsklinikum Heidelberg, Nierenzentrum
2 Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Quelle: BMC Nephrology (2018) 19:377 Doi.org/10.1186/s12882-018-1187-8
Dort heißt es (Übersetzung durch IGN e. V.):
Kurzfassung
Hintergrund: Das klinische Ergebnis und die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) von lebenden Nierenspendern ist meist nicht nachteilig, aber einige Spender erfahren nach der Spende eine Beeinträchtigung. Die geschlechtsspezifischen Auswirkungen bei lebenden Nierenspendern wurden ausgewertet.
Die Methoden: Das klinische Ergebnis wurde bei lebenden Nierenspendern bewertet und die HRQoL wurde durch Selbstauswertung validierter Testsysteme wie das Multidimensionale Ermüdungsinventar Fratgbogen (MFI-20), die Kurzform 36 (SF-36) und die Fragebogen zur Patientengesundheit (PHQ-9) ermittelt.
Ergebnisse: Zweihundertelf (211) lebende Nierenspender wurden ausgewertet (weiblich 62,2%). Die Rücklaufquote betrug 80,8%. Bei beiden Geschlechtern wurde nach der Spende eine Abnahme der Nierenfunktion um 26% beobachtet. Die novo-Antihypertensiva waren bei 28,3% der Frauen und 36,5% der Männer eingeführt. Die HRQoL war bei weiblichen und männlichen Spendern vergleichbar, mit Ausnahme der mentalen HRQoL, die bei den 51- bis 60- jährigen Spenderinnen im Vergleich zu altersgleichen männlichen Spendern und im Vergleich zur weiblichen Allgemeinbevölkerung niedriger war. Weibliche Spenderinnen im Alter von 40-59 Jahren zeigten mehr Ermüdung als die altersgleiche allgemeine Bevölkerung. (fett durch Verf.) Eine niedrige mentale HRQoL (MCS; SF-36) war bei beiden Geschlechtern mit höheren Werten für Müdigkeit assoziiert (Allgemeine Müdigkeit Punktzahl; MFI-20). Durch multiple Regressionsanalyse konnte der General Fatigue Score des MFI-20 Fragebogen und der PHQ-9-Score für Depression als unabhängige Variablen identifiziert wurden, die den MCS des SF-36 für beide Geschlechter vorhersagen können. Ein niedrigeres Alter zum Zeitpunkt der Spende trug zu einem niedrigeren MCS bei weiblichen Spendern bei.
Schlussfolgerungen: Insgesamt übersteigt die HRQoL bei lebenden Nierenspendern die der Allgemeinbevölkerung. Verminderter psychischer Gesundheitsstatus und Müdigkeit scheinen insbesondere bei Spenderinnen mittleren Alters ein Problem zu sein (fett durch Verf.), jedoch nicht bei allen Spenderinnen. Eine psychologische Beurteilung vor der Spende und psychologische Unterstützung nach der Spende sind erforderlich.
Zusammenfassung
Sommerer et al. zeigten, dass nach durchschnittlich ca. 10 Jahren
– 28,3 % der weiblichen und 36,5 % der männlichen Spender blutdrucksenkende Medikamente einnahmen.
– die Nierenfunktion zum Zeitpunkt vor der Spende um durchschnittlich 26 % abgenommen hat
– Fatigue (Erschöpfung, Müdigkeit) besonders bei Frauen im Alter zwischen 40 und 59 auftritt
Kritik an der Studie
Diese Studie vergleicht erneut die Lebensqualität (LQ) der Nierenlebendspender mit der Allgemeinbevölkerung und kommt damit erwartungsgemäß zu einem durchschnittlich positiven Ergebnis. Das ist falsch. Aus anderen Studien ist bekannt, dass der Vergleich der LQ von Spendern mit gesunden Nichtspendern oder mit der eigenen LQ einen signifikanten Verlust an LQ ermittelt. Eine weitere Aussage der Studie vertauscht Ursache und Wirkung:
„Eine niedrige mentale gesundheitliche Lebensqualität (MCS; SF-36) war bei beiden Geschlechtern mit höheren Werten für Müdigkeit assoziiert.“
Dieser Satz suggeriert, dass erst eine psychische Einschränkung zur Müdigkeit führt. Dies entspricht der Argumentationstaktik der Transplantationsmedizin der letzten Jahre. Die Verantwortung für „Fatigue“ oder das sogenannte „Fatigue-Syndrom“ wird zum „schwachen“ Spender geschoben. Hierbei wird bewusst übersehen, dass „Fatigue“ körperliche Ursachen hat, die im operstiven Eingriff, dem Nierenverlust an sich und dem Nierenfunktionsverlust liegen. Tatsächlich führt die Erschöpfungssymptomatik, bedingt durch die Eingriffsfolgen, bei einigen Spendern zur mentalen Belastung. „Fatigue“ nach einer Nierenlebendspende hat jedoch die genannten körperliche Ursachen.