26. Januar 2024
Fragen zu Kostenübernahme, Fasten, Sport nach Spende
26. Januar 2024
Sehr geehrte Damen und Herren,
es rückt die Wahrscheinlichkeit näher, dass die abnehmende Funktionsfähigkeit der Nieren meiner Tochter (50) eine Nierenspende notwendig macht. Dafür komme nur ich nach meiner (unfachmännischen) persönlichen Einschätzung in Frage, weil ich sehr viele biologische Eigenschaften meinerseits in meiner Tochter wiederfinde. Die Zystennieren haben sich von meiner (ersten und mittlerweile verstorbenen) Frau auf meine Tochter vererbt, und meine Frau hat das von ihrem Vater bekommen.
Ich habe mir Ihre Informationen auf Ihrer Seite genau durchgelesen und bin froh, dabei so viele Punkte schon vorab klären zu können. Trotzdem bleiben da noch einige wenige Fragen im Raum, auf die ich auf Ihren Seiten keine klare Antwort gefunden habe. Generell bin ich (72) in einem sehr guten gesundheitlichen Zustand und arbeite noch oftmals auch manuell ohne nennenswerte Einschränkungen. Lediglich die Mittagspause muss ich seit mehreren Jahren bereits verlängern.
Nun zu meinen Fragen:
1) Meine Tochter lebt in Deutschland und ist als Freiberuflerin privat versichert. Die Kostenübernahme für die Transplantation dürfte, was ihre Person betrifft, dann kein Problem sein. Ich lebe als gebürtiger Österreicher schon seit mehr als 20 Jahren in Siebenbürgen (Rumänen), bin dort nicht versichert, dafür aber bei meiner (zweiten) Frau mitversichert, die als gewerblich Tätige bei der SVS in Österreich versichert ist und nun Rente bezieht. Wie verhält sich das nun mit meinem Krankenhausaufenthalt anlässlich der Transplantation resp. auch der dazu notwendigen Voruntersuchungen? Welche Versicherung ist dann dafür zuständig?
2) Seit Jahrzehnten habe ich mich an meine vierteljährlichen Fastenkuren gewöhnt, die so +/- ca. 14 Tage andauern. In dieser Zeit esse ich absolut nichts, sondern trinke mindestens 3 lt. Flüssigkeit täglich (im Sommer Wasser, im Winter auch Tee aus Heilkräutern mit etwas echtem Honig gesüßt)). Damit eliminiere ich alles aus meinem Körper, was dort nichts zu suchen und sich in den letzten Monaten angesammelt hat. Zusätzlich mache ich zur Selbstinformation im Frühjahr einen Generalcheck beim Labor, wobei ich jedes Mal die Glückwünsche der Laborärztin entgegennehme, aufgrund meiner Werte. Obwohl ich nichts auslasse und auch kein gutes Glas ablehne (natürlich in Maßen). Aber die gesunde Rundumernährung mit vor allem natürlichen Nahrungsmitteln und einem sehr gemischten Speisezettel mit eher geringerem Fleischanteil zeigt da sicher ihre Vorteile.
Die Frage stellt sich für mich, ob ich dann mit nur einer Niere da irgendwas umstellen muss. Natürlich werde ich den Alkoholkonsum einschränken, weil die natürliche Resistenz danach zurückgeht (so habe ich das verstanden). Genauso werde ich die manuelle Tätigkeit herunterfahren (müssen). Wie es mit Sport aussieht (z.B. der morgendliche Dauerlauf über 1 km) und auch die morgendliche Gymnastik mit Dehn- und Streckübungen sowie Krafttraining, – das ist Teil meiner Frage. Hauptsächlich geht es mir aber auch um das weitere Abhalten meiner Fastenkuren, und da habe ich keine Antwort in Ihren Seiten gefunden (oder überlesen?).
Auf alles andere habe ich eine Antwort auf Ihren Seiten gefunden, darauf aber nicht. Deshalb würde ich mich freuen, wenn Sie mir dazu etwas mitteilen könnten – oder (wenn ich was überlesen habe) mir einen Hinweis geben könnten, wo ich das nachlesen kann.
Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.
Guten Tag Herr K.,
vielen Dank für Ihre ausführliche Anfrage. Diese kann ich wie folgt beantworten:
1. Sämtliche Kosten der Transplantation in Deutschland übernimmt bei einer Organlebendspende die Krankenversicherung des Organempfängers. Das inkludiert sämtliche Kosten, die beim Organspender entstehen. Dies gilt sowohl für gesetzlich Versicherte als auch für privat Versicherte. Dies haben wir in unserem Magazin unter Risikomanagement auch beschrieben. Es empfiehlt sich jedoch vor dem Eingriff eine Kostenübernahmeerklärung bei der Krankenkasse einzufordern, insbesondere wenn es sich um eine private Versicherung handelt. Diese sind nach unserer Erfahrung häufig etwas „sperriger“. Sie sollten sich auch eine Zusage für eine anschließende REHA (in Deutschland) geben lassen.
2. Da Fasten eine vorübergehende Schwächung des Kreislaufs bedeuten kann, würde ich die ersten 12 Monate nach der Spende hierauf verzichten. Denn durch die Nierenentnahme wird Ihr gesamtes gesundheitliches Gleichgewicht im Körper massiv gestört. Bis sich das Gleichgewicht wieder einstellt, sollten zusätzliche Belastungen vermieden werden. Dies ist meine persönliche Meinung, da es dazu keine Untersuchungen gibt.
3. Eine vorübergehende Alkoholabstinenz für einige Monate ist dringend zu empfehlen. Generell werden Sie trotz guter Gesundheit und altersbedingter schnellerer Ermüdbarkeit eine Veränderung spüren. Geben Sie Ihrem Körper Zeit, sich an die neue Lage zu gewöhnen und vermeiden Sie zu hohen Belastungen. Statt Joggen sollten sie längere Spaziergänge durchführen und hier über die Monate die Belastung langsam steigern. Achten Sie unbedingt auf Ihre Erschöpfungsgrenze und verschieben Sie diese nicht mit „Gewalt“. Generell ist Krafttraining Ausdauertraining vorzuziehen. Vermeiden Sie den anaeroben Bereich beim Training, da dieser die Fatigue inkl. Belastungsintoleranz nach dem Nierenverlust massiv verstärkt. Verlangt Ihr Körper nach Ruhe und Schlaf, geben Sie ihm diese unabhängig von der Tageszeit.
Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen wunschgemäß beantworten.
Mit freundlichem Gruß
Ralf Zietz