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15. Februar 2023

Emotionaler und sozialer Druck und empathielose Mediziner!

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Tochter ist seit mehreren Jahren dialysepflichtig (3x pro Woche), da sie keine Nierenfunktion mehr hat. Sie steht auf der Organempfängerliste. Vor einiger Zeit ist der behandelnde Arzt auf mich zugekommen und erklärte die Möglichkeit einer Lebendspende. Daraufhin erfolgten erste Untersuchungen (Blut, Urin) wobei festgestellt wurde, dass grundsätzlich eine Lebendspende möglich wäre. Vor den Untersuchungen erfolgte ein erstes Gespräch mit dem Arzt, meiner Tochter und mir. Allerdings empfand ich dieses Gespräch (durch einen Arzt der XY Klinik, die auch die Operation durchführen würden) als sehr unangenehm und nicht befriedigend. Ständig wurde das Gespräch unterbrochen, sei es durch Telefonate oder Mitarbeiter/-innen, die eine Unterschrift benötigten. Ich hatte das Gefühl, für den Arzt ist es sowieso klar, dass ich spenden werde, weil ich ja der Vater bin.

Beispielsweise kam die Frage nach erhöhtem Blutdruck auf, die ich bejahte (ich bin seit etwa 5 Jahren medikamentös eingestellt). Hier sagte der Arzt das sei kein Problem, da medikamentös einstellbar. Auf meine Frage, ob ich nach einer Nierentransplantation joggen könnte (eines meiner Hobbys), sagte er, dass wäre spätestens nach einem viertel Jahr wieder möglich, was ich allerdings nach meinen eigenen Recherchen in Frage stelle. Meinen Hinweis, dass mir vor etwa sieben Jahren eine Flüssigkeitseinlagerung (gutartig) hinter dem Ohr entfernt wurde, beachtete er nicht. Kurzum, von Beratung konnte nicht die Rede sein.

Seit der Rückmeldung, dass ich meiner Tochter eine Niere spenden könnte, muss ich eine Antwort finden, ob ich das will. Nicht zuletzt erwartet auch meine Tochter eine Antwort von mir, allerdings ohne mir Druck zu machen, der kommt eher von ihrer Mutter, meiner Ex-Frau (die selbst nicht infrage kommt) und einigen Verwandten. Meine Tochter hat mir Zeit zur Entscheidungsfindung gegeben, würde aber sicher sehr froh sein, wenn ich mich dafür entscheiden würde, da sie bereits seit etwa 5 Jahren auf der Organspenderliste steht.

Ich versuche mich seitdem zu informieren, was auf mich zukommen könnte und wonach ich meine Entscheidungsfindung ausrichten könnte. Dazu habe ich viel im Internet recherchiert und bin beispielsweise auf Ihre Seite gestoßen. Bisher habe ich Statistiken gefunden, die aufzeigen wieviel Lebendspenden es pro Jahr gibt, aber keine, die prozentual die gesundheitlichen Einschränkungen aufzeigt oder eben wieviel Spender ein weithin normales Leben führen. Als nächstes habe ich einen Beratungstermin bei meinem Hausarzt vereinbart.

Wäre es möglich, dass Sie mir aus Ihrer Erfahrung heraus Empfehlungen zukommen lassen, die zu eine Entscheidungsfindung beitragen könnten? Ich bin doch sehr hin- und hergerissen und kann mich weder auf die eine noch auf die andere Seite einlassen. Ich kenne einige Risiken und kann mir vorstellen, dass sich das Leben nach einer Lebendspende für den Spender grundlegend ändern wird. Ich kann momentan aber nicht abschätzen, ob und inwieweit ich ein Risiko eingehen kann/will, da ich auch beruflich sehr eingebunden bin, ein mit einem Kredit belastetes Haus habe, somit auch ein existentielles Risiko eingehen könnte.

Vielen Dank im Voraus und mit freundlichen Grüßen,

Herr N.

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