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17. November 2014

Dialysepflichtiger Bruder übt Druck
auf Schwester aus 

Sehr geehrtes Team der Interessengemeinschaft,

auch wenn ich bislang “nur” emotional betroffen bin, möchte ich mich an Sie als Experten wenden.

Ich leide sehr unter folgendem Konflikt:

Mein Bruder hat vor ca. 6 Monaten den Kontakt zu mir, seiner jüngeren Schwester, und im Wesentlichen auch zu unseren Eltern abgebrochen, als er meine endgültige Absage zur Nierenspende (die er von sich aus “anfragte”) erhielt. Er hatte nicht nur mich, sondern noch zwei enge Freunde als potentielle Spender im “Angebot”, letztlich fielen auch diese aus unterschiedlichen Gründen weg. Zweifelsohne war und ist er (seit einigen Monaten dialysepflichtig) in einer verzweifelten Situation, die ihn dazu gebracht hat, mit mir und meinem Egoismus in einer E-Mail “abzurechnen”. Dies könnte ich noch entsprechend einordnen, nicht aber, dass er weiterhin unversöhnlich auch gegenüber unseren betagten Eltern bleibt, die fürchten, vor der Versöhnung zu sterben, und der Tatsache, dass er weiterhin auf seinem Standpunkt beharrt, mich abzuwerten und zu diffamieren.

Mich plagt das Schuldgefühl, ihm vor vielen Jahren, als bekannt wurde, dass er nur eine funktionierende Niere hat, gesagt zu haben, ich würde ihm eine Niere spenden, im Glauben, er würde Selbstfürsorge betreiben und auf sich achten. Umso mehr, da er ein hochintelligenter, beruflich erfolgreicher Mensch ist. In den darauffolgenden Jahren hat er durch Raubbau an seiner Gesundheit, der zu massiver Adipositas und Diabetes führte, sein verbleibendes Organ m.E. nach selbstverschuldet geschädigt. Alle Versuche, darüber mit ihm ins Gespräch zu kommen, wurden nachdrücklich abgelehnt. Ich wurde darauf verwiesen, mich um meine eigenen Probleme zu kümmern.

An dieser Stelle hätte ich Stellung beziehen müssen. Offenbar hat er auf den Joker gesetzt.

Wenn ich dies jetzt selbst lese, finde ich sein Verhalten ungeheuerlich.

Die Wahrheit hat aber immer zwei Seiten, und ich leide unter diesem Embargo, zumal wir immer ein sehr gutes Verhältnis hatten. Meine Ablehnung hat dreierlei Gründe, die ihm zu erklären ich nicht mehr kam-ich habe genug Informationen um zu wissen, dass mein Leben sich möglicherweise deutlich verschlechtern wird, ich schätze die Erfolgsaussichten für erfolgreiche Transplantation und Funktionieren meines Organs als sehr gering ein, da er sich schon vor der Dialyse durch oben geschilderte Zusammenhänge in schlechter Verfassung befand und ich habe wahrscheinlich Rheuma, dessen Behandlung möglicherweise mit belastenden Medikamenten geschehen kann. Von all dem weiß er nichts, und hielte es wohl auch für unwahr, vorgeschoben. Ebenso wie er jede Eigenverantwortlichkeit für seinen Zustand ablehnt.

Sicherlich ein nur geringfügiges Problem im Vergleich zu denen, die Spender und ihre Familien plagen, aber auch ein Zeichen für die allgemeine Erwartungshaltung in Bezug auf die Lebendspende.

Mit freundlichen Grüßen

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