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Bluthochdruck und Nierenfunktion:

Ergebnisse einer prospektiven Spender-Kontrollgruppenstudie

2024 – Hypertension and Kidney Function After Living Kidney Donation

Bluthochdruck und Nierenfunktion: Ergebnisse einer prospektiven Spender-Kontrollgruppenstudie

Quelle: JAMA 2024;332(4):287–299, online veröffentlicht am 23.05.2024

Autoren: Amit X. Garg, Jennifer B. Arnold, Meaghan S. Cuerden et al. (DONOR Network)

DOI: https://doi.org/10.1001/jama.2024.8523

Link zur Studie


In einer prospektiven Studie wurden 924 Nierenlebendspender und 396 nicht spendende, zu Studienbeginn gesundheitlich ausgewählte Erwachsene aus 17 Zentren in Kanada und Australien über median 7,3 Jahre nachbeobachtet. Spender und Nichtspender erhielten dieselben jährlichen Untersuchungen. Unterschiede der Ausgangsmerkmale wurden mithilfe statistischer Gewichtung ausgeglichen.

Bluthochdruck trat bei jeweils rund 17 % auf; ein signifikanter Mehranstieg in der Spendergruppe wurde nicht nachgewiesen. Die eGFR sank unmittelbar nach der Nierenentnahme im Mittel um 32 ml/min/1,73 m². Im weiteren Verlauf verlief die durchschnittliche jährliche eGFR-Veränderung bei Spendern günstiger als bei Nichtspendern. Dennoch wurde bei 47 % der Spender mindestens einmal eine eGFR zwischen 30 und 60 festgestellt, gegenüber 5 % der Nichtspender. Bei 29 % der Spender lag die eGFR bei mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahresterminen unter 60.

Wissenschaftliche Einordnung und Grenzen

Die prospektive Erhebung, die gesünder vorselektierte Kontrollgruppe und der identische Untersuchungsplan sind wesentliche methodische Stärken. Anders als ein Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung erlaubt die Studie eine aussagekräftigere Beurteilung bestimmter Spendenfolgen. Allerdings waren es tatsächlich 396 Nichtspender; die in den gewichteten Berechnungen ausgewiesenen 928 sind keine zusätzlichen untersuchten Personen.

Die mittlere Nachbeobachtungszeit von gut sieben Jahren reicht nicht aus, um Spätfolgen über Jahrzehnte zu beurteilen. Ein statistisch nicht signifikanter Unterschied beim Blutdruck bedeutet nicht, dass langfristig jede Risikoerhöhung ausgeschlossen wäre. Die Studie war insbesondere nicht darauf ausgelegt, seltene Ereignisse wie terminales Nierenversagen oder kardiovaskuläre Todesfälle abschließend zu erfassen.

Bewertung aus Sicht der IGN e. V.

Der ausgeprägte unmittelbare Funktionsverlust ist eine gesicherte Folge der Spende. Dass dieser Verlust teilweise kompensiert wird und der mittlere spätere eGFR-Verlauf günstig sein kann, hebt die geringere Nierenfunktionsreserve nicht auf. Die Befunde sprechen gegen pauschale Behauptungen, jeder Spender entwickle wegen der Spende Bluthochdruck; ebenso wenig rechtfertigen sie eine pauschale gesundheitliche Entwarnung.

Die IGN fordert eine verständliche Aufklärung über den zu erwartenden Funktionsverlust, die Unsicherheiten der Langzeitprognose und die Bedeutung wiederholter Nierenfunktionsmessungen. Die Ergebnisse sollten zusammen mit neueren Langzeitdaten, etwa von Vock et al. (2026), betrachtet werden.

Originalveröffentlichung: https://doi.org/10.1001/jama.2024.8523

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