2012 – Reduced quality of life in living kidney donors: association with fatigue, societal participation
and pre-donation variables
Quelle: Transpl Int. 2012 Sep;25(9):967-75. doi: 10.1111/j.1432-2277.2012.01524.x. Epub 2012 Jul 10
Reduzierte Lebensqualität von Nierenlebendspendern in Verbindung mit Erschöpfung/Müdigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und Variablen vor der Spende.
Autoren: Groot, Stiggelbout, van der Boog, Baranski, Marang-van de Mheen
In dieser Studie wurden Zusammenhänge diverser Parameter vor und nach der Spende untersucht und in Verbindung gesetzt.
In der Einleitung weisen die Autoren daraufhin, dass es in der Literatur bekannt sei, dass einige Spender über Fatigue berichten, die ihre Lebensqualität einschränkt.
Es wurden 426 Spender befragt, von denen aber nur 316 Spender antworteten.
Dies entspricht einem Follow-Up Verlust von 26 %.
Die 316 Spender hatten zwischen 1997 und 2009 gespendet. Sie wurden zu ihrer Lebensqualität mit Hilfe des SF36 und über Fatigue mit dem „Multidimensional Fatigue Inventory“ und über die soziale Teilhabe am Leben mit dem „Utrecht Scale for Evaluation of Rehabilitation-Participation“ befragt.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Spender im Durchschnitt eine bessere Lebensqualität als die Allgemeinbevölkerung haben. Dies ist jedoch erwiesenermaßen eine schwache Aussage, da die Spender eine hochselektierte Kohorte sind und somit zwangsweise eine bessere Lebensqualität haben müssen, selbst wenn sie gewisse Einschränkungen haben.
Trotz dieser Aussage wiesen:
12 % der Spender eine körperlich verschlechterte Lebensqualität auf und 18 % eine psychisch verminderte Lebensqualität.
Überschneidungen werden nicht thematisiert. Also könnten es bis zu 30 % der Spender sein, die mit körperlichen und / oder mentalen Problemen nach der Spende zu kämpfen haben.
Spender mit reduzierter Lebensqualität leiden an Erschöpfung/stärkerer Müdigkeit (p 0.01), weniger sozialen Kontakten (p 0.01) und unter Veränderungen in der Beziehung zu dem Empfänger (p 0.07).
Spender mit körperlichen Einschränkungen hatten vor der Spende häufiger einen höheren BMI (p < 0.05) und waren zum Teil Raucher (p < 0.05).
Diejenigen mit psychischen Einschränkungen hatten höhere Erwartungen an die Spende (p < 0.05).
Interessanterweise waren die Faktoren „körperliche“ und „generelle Müdigkeit“ bei den Spendern mit verminderter körperlicher Lebensqualität sogar schlechter als bei den 139 Niederländern, die als Allgemeinbevölkerungs-Vergleichsgruppe herangezogen wurden.
Dies ist besonders bedeutsam, denn wenn ein Spender, der vorher deutlich über dem Niveau der Allgemeinbevölkerung liegt, plötzlich körperlich müder ist, als eben jene, dann können die Einschränkungen für denjenigen sehr gravierend sein.
Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass ein großer Anteil der Spender mit Einschränkungen trotzdem Nichtraucher und normalgewichtig war.
Einzig werden der höhere BMI und das Rauchen als Risikofaktoren genannt, anhand derer man gewisse Spendergruppen gezielter auf die Risiken hinweisen könnte.
Schlüsselsätze in dieser Studie:
In der Einleitung weisen die Autoren daraufhin, dass es in der Literatur bekannt sei, dass einige Spender über Fatigue berichten, die ihre Lebensqualität einschränke.
„Furthermore, some donors report an increased fatigue after donation, which may limit them in participation in leisure activities.“
Auch sehr wichtig ist der Hinweis, dass schon vorherige Studien gezeigt haben, dass potentielle Spender zögern zu spenden, wenn sie sich Sorgen um ihre langfristige Gesundheit machen.
„Previous studies have shown that people hesitate to donate a kidney, because they are concerned about their own longterm health.“
Erkenntnisse aus dieser Studie?
Es gibt deutliche Einschränkungen in der Lebensqualität bei einem erheblichen Anteil der Lebendnierenspender.
Vor dem „Warum“ steht die Wissenschaft weitgehend ratlos. In dieser Studie wurde zumindest erkannt, dass ein potentieller Risikofaktor ein leicht erhöhter BMI und Zigarettenkonsum ist.
Weitere gründlichere Studien werden dringend notwendig sein. Nicht nur, um zu entdecken, wer potentiell einem Risiko ausgesetzt ist, sondern vielmehr, warum diese Müdigkeit überhaupt auftritt und wie man diese lindern kann.
Eine Zahl von bis zu 30 % in ihrer Lebensqualität eingeschränkten Spendern ist nicht hinzunehmen.
Ebenso wenig, dass die wenigsten Transplantationszentren die potentiellen Spender auf diese Risiken hinweisen.