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2004 – Prospective Psychosocial Monitoring of Living Kidney
Donors Using the Short Form-36 Health Survey:
Results at 12 Months

Quelle: (Transplantation 2004, 78:1384-1389)

Smith, Trauer, Kerr, Chadban

Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15548979

Da es keine prospektiven Studien zum Thema psychosoziale Ergebnisse der Lebendspender gibt und somit die Identifikation der Risikofaktoren bei Spendern erschwert wird, wurde diese Studie gemacht.

Studie: prospektiv

Zeitraum: vor der Spende, vier Monate danach und 12 Monate danach.

Beobachtungszeitraum maximal: ein Jahr.

Welche Bögen: SF-36, Patient Health Questionaire psychatric assesment

Spenderzahl: 48 Spender
Ergebnisse:
SF 36 Ergebnisse = General Health und Vitalität sanken signifikant (P<0,05)! (schlechtere Vitalität bedeutet aber: tendenziell müder, schlapper, etc.)

Ebenso sanken die Werte bei körperlichen Schmerzen. Bedeuten also eine größere Beeinträchtigung durch Schmerzen!!

Psychoergebnisse:
Vor der Spende hatte EIN Spender/48 (= 2%) eine mentale Störung  DSM IV, Achse 1.

hier mehr Infos dazu: http://web4health.info/de/answers/psy-icddsm-what.htm

Die fünf Achsen des DSM-IV sind:

  • Achse I Klinische Störungen (Alle psychischen Störungen mit Ausnahme der Persönlichlichkeitsstörungen und der geistigen Behinderungen)
  • Achse II Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderungen
  • Achse III Somatische Medizinische Krankheitsfaktoren
  • Achse IV Psychosoziale und umweltbedingte Probleme (z. B. Probleme in Familie und Partnerschaft)
  • Achse V Globale Erfassung des Funktionsniveaus (Psychische, soziale und berufliche Funktionen werden auf einem Kontinuum zwischen psychischer Gesundheit und extremer Störung beurteilt
Weiterer Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Diagnostic_and_Statistical_Manual_of_Mental_Disorders)

29 % der Spender (n14) entwickelten in den ersten 12 Monaten nach der Spende eine Störung.

Die Störungen waren Depression (12%), Angststörung (6%) und Anpassungsstörungen (13%). Sieben Spender (15%) zeigten eine Störung 12 Monate nach OP (10% Depression, Angststörung 2%, Anpassungsstörung 13%).

Ebenfalls war eine dazu korrespondierende Verschlechterung der psychosozialen Parameter des SF-36 Mental Component Summary zu erkennen. Diese Parameter sanken signifikant zu beiden Zeitpunkten nach vier und 12 Monaten. Für 19% der Spender war das eine größere Verschlechterung, als man es für die Vergleichsgruppe erwartet hätte.

Schlußfolgerung der Studie:

Spender sollten gewarnt werden, dass eine Verschlechterung dieser Werte möglich ist. Zudem sollten sie auf Risikofaktoren dahingehend untersucht werden und mindestens für 12 Monate beobachtet werden

Weitere Zitate aus der Studie:

„Es ist bemerkenswert, dass über die psychosozialen Ergebnisse nach einer Nierenlebendspende wenig bekannt ist. Unser Wissen hängt hauptsächlich von retrospektiven Studien ab. Diese zeigen meist an, dass die Mehrheit der Spender die Spende als positive Erfahrung wertet. Ebenso gibt es aber auch Berichte über einige Spender, die durch die Spende in Schwierigkeiten gebracht wurden. Einige bereuten es, gespendet zu haben. Johnson und andere berichten, dass 12% die Spende als stressig bis extrem stressig erlebten und das 4% die Spende bereuten. Bei Schover u. a. berichteten 15% über einen negativen Effekt der Spende auf ihre Gesundheit. In unserem Bericht zum Ergebnis der Spender im vierten Monat postoperativ, 16% der Spender wurden psychiatrische Fälle und es gab eine signifikante Verschlechterung in den Parametern der psychosozialen Funktion.“

„Nach vier Monaten gab es 12 psychatrische Fälle (25%), Anpassungsstörungen bei 8 Patienten, Angststörungen bei drei Patienten und ein Patient mit Depression. Nach 12 Monaten waren es sieben Fälle (15%). Ein Patient mit Anpassungsstörung, ein Patient mit Angststörung und fünf Spender mit Depression (zweimal Dysthymia, drei Mal eine schwere Depression).“

Bis auf den einen Spender, der vor der Spende schon eine Dysthymia hatte (er entwickelte eine schwere Depression), hatten alle Spender vor der Spende keine psychatrische Vorgeschichte.

Insgesamt kam es somit bei 29% (inkl dem gestörten Spender 31%) innerhalb von 12 Monaten zu psychiatrischen Störungen.

Der SF36 unterteilt sich in die psychosozialen Parameter (MCS) und die körperlichen (PCS). MCS Parameter verschlechterten sich signifikant zwischen Spende und 4 Monate danach und blieben bis zum 12. Monate signifikant schlechter. 9 Spender (19%) hatten eine sehr große Verschlechterung ihrer MCS Werte.

PCS Werte zeigten über die Zeitpunkte keine signifikante Verschlechterung. Bis auf die Punkte Schmerzen (bodily pain), allgemeine Gesundheit (General Health) und Vitalität (Vitality). Diese verschlechterten sich allesamt.

An dieser Stelle wären wir wieder bei der Diskussion, ob Schmerzen, verringerte Gesundheit und die verringerte Vitalität (z. B. fatigueartige Symptome) zu psychiatrischen Störungen führen oder umgekehrt? Hinzu kommt vermutlich die mangelnde Diagnosebereitschaft der Ärzte bezüglich der tatsächlichen Ursachen der verschlechterten PCS-Werte, z. B. eine verringerte Nierenfunktion. Dies führt zwangsläufig zu psychiatrischen Störungen.

Schlussendlich, so die Autoren selbst, ist auf Grund der vorliegenden Studien die Antwort naheliegend, dass knapp 1/3 der Spender (29 %) nach der Spende psychiatrische Störungen entwickeln, die Ursache nur die Spende selbst sein kann.

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