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Sozialmedizinische Stellungnahme des MDK vom 12. September 2012 – Teil 3

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Fortsetzung Zusammenfassung
Fatigue-Syndrom

Das Gutachten erwähnt, dass „Müdigkeit und Abgeschlagenheit“ von einigen Nierenlebendspendern als Folge des Nierenverlustes beklagt werden. Laut den vorliegenden Angaben wird eine Größenordnung von ca. 5 % der Nierenlebendspender als vom „Fatigue-Syndrom“ betroffen bezeichnet. Ebenfalls wird erwähnt, dass die Ursachen des „Fatigue-Syndroms“ kontrovers diskutiert werden. Der „überwiegenden“ Fachliteraturmeinung, die von psychosomatischen Zusammenhängen ausginge und mögliche Misserfolge beim Empfänger als Auslöser angeben würde, stünde die Meinung betroffener Spender entgegen, die von einer herabgesetzten „Stoffwechselleistung“ der verbleibenden Niere sprechen.

Damit wird zum ersten Mal offiziell anerkannt, dass es durch die Nierenlebendspende zur chronischen Erschöpfung und Müdigkeit kommen kann.

Das Chronic-Fatigue-Syndrom (auch Myalgische Enzephalomyelitis ME) gilt als eigenständiges Krankheitsbild mit eigenem ICD-10-Code (G93.3), ist jedoch schwierig von Fatigue als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen abzugrenzen. „Fatigue“ alleine wird beispielsweise als Nebenerkrankung bei z. B. Krebs und Multipler Sklerose beschrieben und in Deutschland, abweichend vom internationalen Sprachgebrauch, als „Fatigue-Syndrom“ bezeichnet. Ebenfalls ist „Fatigue“ eine allgemein anerkannte Nebenwirkung der chronischen Nierenerkrankung.

Eindeutig gemeinsam ist bei allem Genannten, dass eine anhaltende Müdigkeit, Fatigue oder Erschöpfung die Lebensqualität beeinträchtigt. Die genauen Zusammenhänge sind nach wie vor unklar. Auch lässt sich diese Erkrankung nur sehr schwierig im Blutbild nachweisen. Die Lehrmeinungen reichen von einer Veränderung im Immun- und Hormonsystem bis hin zu psychischen Ursachen. Letztere Meinung wird von der Transplantationsmedizin vertreten, sofern sie diese Erkrankung überhaupt anerkennt. Somit geht man dem eigentlich notwendigen Eingeständnis aus dem Weg, sehr viele Spender durch die Nierenentnahme (Stichwort Hormon- und Immunsystem, Nierenunterfunktion!) körperlich krank zu operieren.

Fakt ist, es handelt sich um eine körperlich spürbare starke Beeinträchtigung des Alltags, die bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark und auch intervallartig auftreten kann. Zahlreiche Nierenlebendspender berichten von dieser Erkrankung, fanden aber bisher kaum Gehör bzw. Akzeptanz. „Fatigue“ wird, wie oben erwähnt, auch als Folge einer Nierenschwäche beschrieben. Allerdings berichten auch Nierenlebendspender mit keiner oder nur geringer Nierenfunktionseinschränkung von diesen Symptomen.

Wir sprechen im Kontext zur Nierenlebendspende zur Abgrenzug zum „Fatigue-Syndrom“ bewusst von „fatigueartigen Symptomen“ und haben dies hier veröffentlicht. Die genannte Quote von 5 % ist nach unserer Auffassung deutlich zu niedrig, da wir davon ausgehen, dass jeder Funktionsverlust zu Einschränkungen führt, obgleich diese bei der Mehrheit der Spender gar nicht oder kaum spürbar sind, bzw. individuell als erträglich empfunden werden.

Auf der nächsten Seite werde die möglichen operationstypischen Folgen einer Nierenentnahme aufgeführt.

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