19. Oktober 2017
Feedback und Dank
Sehr geehrter Herr Zietz,
vielleicht erinnern Sie sich, wir haben 2014 zum Thema Nierenspende Kontakt gehabt, Sie hatten mich freundlicherweise angerufen und ich fühlte mich sehr gut informiert und unterstützt in meiner letztendlich gegen die Spende für meinen Bruder getroffenen Entscheidung, wofür ich bis heute dankbar bin trotz allen Kummers, den die Krankheit über unsere Familie gebracht hat.
Dies ist auch der Grund meiner Nachricht heute-Danke zu sagen. Ich hoffe, Ihnen und Ihrer Familie geht es so gut wie möglich.
Seit damals verfolge ich die Veröffentlichungen der Initiative und versuche, meinen Teil beizutragen, in dem ich in entsprechenden Situationen, in denen das Gespräch auf das Thema kommt, mein Wissen über die Problematik und Ihre Initiative einzubringen.
Mich regt es sehr auf, dass von nahezu jedem gedankenlos nachgeplappert wird, man könne „prima mit einer Niere auskommen“ und es wäre quasi jedermanns /oder -fraus Pflicht, selbstverständlich zu spenden. Ich selbst habe einige entsprechende Reaktionen geerntet wie „das wird Dir noch leid tun, wenn Dein Bruder stirbt“.
Ich hörte erst vor Kurzem im Bekanntenkreis von einer jungen Frau, die vor der gleichen Situation stand. In ihrem Fall stand für die ganze Familie fest, dass sie „selbstverständlich“ spenden WIRD, und sie hat dem Druck nicht standgehalten.
Es geht ihr nach wie vor nicht gut, sie spricht nicht darüber und hat sich zurückgezogen.
Mein Bruder hat unversöhnlich mittlerweile den Kontakt zur gesamten Familie abgebrochen und wir alle leiden bis heute darunter.
Ich wünsche Ihnen persönlich alles erdenklich Gute und viel Kraft weiterhin auch für die wichtige Arbeit in der Initiative,gegen Verharmlosung und Desinformation.
Herzliche Grüße
Hallo,
Ihre E-Mail hat mich tief berührt. Danke, dass Sie unsere Arbeit so schätzen. Dies ist eine großartige Bestätigung. Betroffen macht mich Ihr Bericht über die junge Frau aus dem Bekanntenkreis. Das Problem des Drucks durch die verharmlosenden Darstellung der Nierenlebendspende begegnet mir immer wieder. Es ist eine Schande, was auch durch die Medien, öffentlich zu diesem Thema kolportiert wird. Junge, gesunde Menschen werden genötigt, ihre Gesundheit dauerhaft zu schädigen, um einem bereits kranken Menschen vorübergehend (!) zu helfen. Man liest dann oft von „Heilung“, obwohl eine Transplantation keinesfalls eine Heilung, sondern allenfalls eine zeitlich begrenzte Linderung ist!
Ich wünschen Ihnen alles Gute! Achten Sie auf Ihre Gesundheit und verteidigen Sie sie. Mit aller Kraft!
Mit freundlichem Gruß
Ralf Zietz
Hallo Herr Zietz,
danke für Ihr Schreiben und Ihre freundlichen Worte.
Die verharmlosende Berichterstattung hängt sicher auch mit dem Missverhältnis Anzahl der Transplantationskliniken auf der einen und der verfügbaren Spenden auf der anderen Seite zusammen, dies deutete der Nephrologe an, der mich damals beriet, also gilt es zunehmend Lebendspender zu mobilisieren.
Ich vermute, da stehen da materielle Gründe oft vor ethischen.
Und auch der Falls Steinmeier, der möglicherweise in Vorbereitung und Durchführung nicht repräsentativ ist, führte -leicht polemisch formuliert- zum kategorischen Spendenimperativ.
Wenn Sie erlauben, melde ich mich zu gegebener Zeit wieder.
Auch für Sie noch einmal meine besten Wünsche.
Herzliche Grüße