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15. April 2013

15. April 2013

Hallo Ralf

die Sendung gestern war einfach nur Klasse. Ich habe heute Morgen den Link gleich weiter an meine Geschwister und an die Versicherung geschickt.

Könntest Du bitte den Link an meine Klinik senden? Das wäre super, sie behandeln mich nämlich wie einen Einzelfall, psychisch labil.

Liebe Grüße

A.

Sehr geehrter Herr Zietz,

ich bin über ihr Inteview auf Sie aufmerksam geworden.

Evtl. sollten Sie bei der Kritik an der angeblich mangelnden Aufklärung, die Sie üben, darauf aufmerksam gemacht werden, dass Aufklärung nur „evidence-based“ erfolgen kann.

Fatigue in Zusammenhang mit einer NTX wurde jedoch nur in kleinen Kohorten, nicht multi-center und nicht in Anbetracht des sozialen/finanziellen Drucks, der auf dem Donor liegt, untersucht.

Wenn Sie sich die Mühe machen sich in dem Bereich zu engagieren, kann ich Ihnen die neuste Literatur nur empfehlen!

Mit freundlichen Grüßen

L. V.

Anlage: Link zur aktuellen Fatigue-Studie aus den Niederlanden.

Die Antwort:

Sehr geehrter Herr V.,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Diese Studie ist uns bekannt und befindet sich in der Auswertung durch unsere Frau Geuer, welche im Vorstand für diese Thematik verantwortlich ist. Gerne leite ich Ihre E-Mail weiter.

Unabhängig davon erlaube ich mir aber die Bemerkung, dass es den betroffenen Spendern egal ist, ob sie eine Minderheit darstellen oder nicht. Viel schwerer wiegt der Umstand, dass entsprechende Vorträge über verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit von den Ärzten nicht ernst genommen werden und geradezu reflexartig immer wieder der absurde Ausweg in die Psychosomatik gesucht wird. Dabei wäre der einfache Vergleich der verminderten Nierenfunktion mit den auftretenden Symptomen schon für viele Fragen zielführend.

Die Nierenlebendspende ist in ihrer bisherigen öffentlichen Darstellung ein Medizinirrtum. Besonders schlimm ist der Umstand, dass die Berichte und Studien über die teilweise verminderte Lebensqualität von ehedem gesunden Spendern (auch Nichtraucher und schlanke Sportler sind betroffen!) seit langem bekannt sind und bisher niemand darauf reagiert hat. Hier endet dann irgendwann der Irrtum und es beginnt der Vorsatz. Diesen Irrtum gilt es auch gegen den massiven Widerstand der Transplantationsmedizin aufzuklären. Interessant ist nicht zuletzt auch die Frage nach den tatsächlichen medizinischen Möglichkeiten, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, (§ 8 (1) 1. c) TPG). Ein medizinisches Verfahren, welches an gesunden Menschen angewandt wird und zu einer Fehlerquote in dieser Höhe führt, ist ethisch äußerst zweifelhaft.

Die Nierenlebendspende darf nach unserer Auffassung nur unter sehr limitierten Umständen angewandt werden. Für uns steht grundsätzlich der Schutz gesunder Menschen vor einer vorübergehenden Belastungserleichterung kranker Menschen. Vor allem muss der potentielle Spender über sämtliche bekannten Risiken aufgeklärt werden.

Es bleibt spannend und wir bleiben unbequem.

Für Rückfragen steht Ihnen der Unterzeichner zur Verfügung.

Mit freundlichem Gruß

Ralf Zietz

Hallo Ralf, hallo Marlies,

kurzes Feedback: Auf Grund der Sendung hat der Empfänger meiner Niere bei mir angerufen. Ich glaube, er hat kapiert, dass ich kein Einzelfall bin, keine Psychotante… Danke. Ich hoffe unser Dialog kann jetzt weiter gehen.

Liebe Grüße

A.

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