Wenn dieser Newsletter nicht korrekt angezeigt wird, klicken Sie bitte hier.

Newsletter November 2021 | Nr. 02/21

Header

Sie erhalten den Newsletter, weil Sie sich angemeldet haben oder von uns beruflich, ehrenamtlich oder privat mit dem Thema Nierenlebendspende in Verbindung gebracht werden.


Wenn Sie künftig keinen Newsletter wünschen, können Sie sich austragen. Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig über neue Inhalte unserer Webseite.

Line

Die vom Gesetzgeber bewusst streng formulierten und in § 19 Abs. 1 Nr. 1 TPG gesondert strafbewehrten Aufklärungsvorgaben sollen den potentiellen Organspender davor schützen, sich selbst einen größeren persönlichen Schaden zuzufügen; sie dienen dem „Schutz des Spenders vor sich selbst.“

Bundesgerichtshof am 29. Januar 2019 (VI ZR 495/16 und VI ZR 318/17)

Line

Pressemeldung

Prozesse um fehlerhafte Aufklärung vor Nierenlebendspende werden fortgesetzt Verhandlungstermin 08. November 2021 12:00 Uhr

Hier mehr lesen >

Line

Schwerpunktthema Zukunft der Organlebendspende

Der Weg zum Symposium des Bundesministeriums für Gesundheit am 29. Juni 2021

Die Diskussion
Immer wieder kommt die Organlebendspende auf die politische Agenda: Genau genommen die Ausweitung bzw. „Liberalisierung“ der Organlebendspende. In Deutschland unterliegt die Organlebendspende sehr strengen gesetzlichen Vorgaben, welche im § 8 des Transplantationsgesetz geregelt sind.

So darf die Organlebendspende nur durchgeführt werden, wenn kein passendes Organ eines/r Hirntoten zur Verfügung steht. Dies nennt man das „Subsidaritätsprinzip“.

Weiterhin ist die Spende nur unter Verwandten ersten und zweiten Grades, sowie unter Personen, die sich offenkundig in besonderer Verbundenheit nachstehen, erlaubt.

Der Antrag
Gegen diese Restriktionen findet sich regelmäßigen Abständen immer wieder ein Aufbegehren. Viele Transplantationsmediziner, aber auch einige Juristen, blenden die komplexe Problematik der gesundheitlichen und psychosozialen Risiken und der daraus entstehenden kognitiven Dissonanz, dem sogenannten Entscheidungskonflikt, mehr oder weniger bewusst aus.

Seit 2019 wird die Phalanx der „Liberalisierer“ von der FDP-Fraktion des letzten Bundestages angeführt. Unter dem Titel „Chancen von altruistischen Organlebendspenden nutzen – Spenden erleichtern“ wurde im Februar 2019 ein entsprechender Antrag in den Bundestag eingebracht. Dieser war zuvor im November 2018 veröffentlicht worden.

Drucksache 19/5673 – 09.11.2018

Die Reaktion
In einem offenen Brief an die Fraktionen des Bundestages und die Bundesregierung reagierten wir am 26. November 2018 auf diesen Antrag und legte unsere Einwände und Positionen dar.

Offener Brief IGN e. V. – 26.11.2018

Besonders die Formulierung, dass es dem Spender möglich sei, „beschwerdefrei oder nur mit geringen Einschränkungen“ weiterzuleben, stieß auf unserer Seite schon allein wegen der offenkundigen Inkaufnahme von Schäden auf Widerspruch.

Die Realität
Bekanntlich wurde der Antrag an den Bundestag am 29. Januar 2019 von der Realität eingeholt. Der Bundesgerichtshof (BGH) erkannte in zwei von uns erwirkten Grundsatzurteilen an, dass Organlebendspender einen Anspruch auf umfassende Risikoaufklärung haben, da man potenzielle Spender auf Grund der Gefahren „vor sich selbst schützen“ müsse. Diese Urteile stehen nach unserer Auffassung im Widerspruch zur Aufweichung der Organlebendspenderegeln.

Pressemeldung BGH – 29.01.2019

Die Anfrage
Im Juli 2020 hat die FDP-Fraktion eine „Kleine Anfrage“ bei der Bunderegierung gestellt, um deren Position zur Debatte zur Organlebendspende zu erfahren.

Drucksache 19/21187 – 22.07.2020

Für die Bundesregierung antwortet im August 2020 das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und zeigt sich offen für eine Debatte: „Die Frage einer möglichen Änderung der Regelungen zur Organlebendspende in Deutschland setzt daher eine sorgfältige Prüfung und Diskussion unter Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekte voraus. Dazu gehören insbesondere eine umfangreiche fachliche Aufbereitung der Thematik, eine sorgfältige ethische Abwägung sowie letztlich auch eine breite politische und gesellschaftliche Debatte.“

Drucksache 19/21495 – 05.08.2020

Das Symposium
Tatsächlich war bereits für Juli 2020 ein Symposium unter Leitung des BMG zum Thema geplant, welches dann aber wegen der Corona-Krise auf 2021 verschoben wurde. Am 29. Juni 2021 wurde dann das Symposium digital als Video-Konferenz durchgeführt.

Digitales Symposium des BMG – 29.06.2021

Auch unser 1. Vorsitzender Ralf Zietz wurde um einen Vortrag gebeten.

Vortrag Ralf Zietz
Sachlich und auf Fakten basierend erläuterte Ralf Zietz die erheblichen Risiken der Nierenlebendspende und begründete so die ablehnende Haltung unseres Vereins gegenüber der Ausweitung der Organlebendspende. Gleichzeitig wies er auf die psychosozialen Aspekte der Nierenlebendspende hin.

Ralf Zietz – Gesundheitsrisiko Nierenlebendspende

Zu seinem Vortrag gab es Zuspruch aber natürlich auch Widerspruch. So wurde seitens eines Vertreters der kompletten Freigabe der Organlebendspende (Juraprofessor) die „ethisch und rechtlich wirren Forderungen“ nach weiterer rechtlicher Begrenzung stark kritisiert, weil so weiterer „Schaden“ angerichtet würde. Die Antwort darauf lesen Sie hier:

Antwort Ralf Zietz an Juraprofessor

Resümee: Juristische Denkmodelle sind oft weit entfernt von der Lebensrealität.

Vortrag Martin Wittke
Unser Beirat Herr Rechtsanwalt Martin Wittke wies in seinem Vortrag als Fachanwalt für Sozialrecht auf den nach wie vor unzureichenden Unfallversicherungsschutz, sowie die skandalösen Abwehrhaltung der Unfallkassen bei der Bearbeitung von Schäden nach Organlebendspenden hin. Er schlug daher konkrete Nachbesserungen bei der Gestaltung des §12a SGB VII vor.

Martin Wittke - Spenderschutz nach dem SGB VII – Anspruch und Wirklichkeit

Das Presseecho
Über die Veranstaltung gab es einige Presseberichte, die wir hier nochmals bereitstellen:

Ärzteblatt – Die Debatte ist angestoßen – 12.07.2021
Bioskop – Ausweiten oder Einschränken – 09.2021
Ärztezeitung – Lebendorganspende: Zurück auf los? – 18.10.2021

Bemerkenswert sind einige Aussagen von Ärzten in diesen Berichten. Herr Prof. Viebahn aus Bochum meinte gegenüber der Bioskop, dass das BGH-Urteil den Eindruck verstärken würde, dass „unsorgfältige Beutelschneider“ zu Werke gehen. Es hätte aber schon immer ein Standard „höchster Sorgfalt“ gegolten. Leider können wir aus unserer Beratungs- und Betreuungspraxis dies so verallgemeinert nicht bestätigen. Es scheint, dass sich ein Teil der Transplantationsmediziner durch das für Spender so wichtige Urteil „gekränkt“ sieht und noch immer nicht verstanden hat, um was es bei der Organlebendspende geht: Um die Sicherheit des Spenders!

Realistisch und selbstreflektiert hingegen lesen sich die Aussagen von Herrn Prof. Banas (Regensburg) gegenüber dem Ärzteblatt: „Derzeit muss man daran zweifeln, ob man Lebendspenden überhaupt noch ärztlich verantworten kann.“ Und weiter: „Mittlerweile gibt es Belege für weitere Risiken. Es bleibt unklar, ob Spender und Ärzte solche Risiken bewusst eingehen dürfen.“ Mit seinem Apell u. a. an den Gesetzgeber, endlich für einheitliche Aufklärungsstandards zu sorgen, folgt er nunmehr einer unserer Forderungen. Hier zeigt sich, dass unsere jahrelange Öffentlichkeitsarbeit, sowie die von uns unterstützten Gerichtsverfahren Wirkung zeigen.

Tagungsband veröffentlicht
Das BMG hat einen Tagungsband zum Symposium veröffentlicht, der eine Kurzzusammenfassung aller Vorträge enthält. Dieser Tagungsband kann hier heruntergeladen werden.

Tagungsband Symposium

Die Zwischenbilanz
Wir befinden uns also mitten in der Diskussion um die Organlebendspende. Unsere Aufgabe als Interessenvertretung ehemaliger und zukünftiger Nierenlebendspender ist auch in Zukunft für deren Sicherheit und Absicherung zu kämpfen. Dazu gehört auch das unbedingte Festhalten an den bestehenden gesetzlichen Einschränkungen zur Organlebendspende bzw. sogar eine Ausweitung der Beschränkungen als Gesundheitsschutz für Organlebendspender. Denn wir sagen:

Spende aus Liebe, aber mit Verstand!

Line

Beratung


“Eine Lebendspende kann mit hohen Risiken verbunden sein. (...) Eine umfassende Aufklärung ist daher umso wichtiger. Die Interessengemeinschaft Nierenlebendspende e.V. leistet dazu einen wichtigen Beitrag.”

Hermann Gröhe (Bundesgesundheitsminister von 2013 bis 2018)

Risiko- und Konfliktberatung vor Nierenlebendspende
  • Sie planen demnächst eine Niere zu spenden oder als Lebendspende zu empfangen und möchten zusätzlich zu den Informationen auf unserer Webseite ein persönliches Gespräch mit einem Spender und/oder Empfänger?
  • Sie möchten spenden und haben die medizinischen und ethischen Prüfungen und Tests durchlaufen, verspüren aber noch zusätzlichen Beratungsbedarf?
  • Sie fühlen sich zur Nierenlebendspende gedrängt?
  • Wir besprechen mit Ihnen unsere Evaluationsempfehlungen und bereiten so Ihre Entscheidung noch gründlicher vor.
Krisenberatung nach Nierenlebendspende
  • Sie sind Nierenlebendspender und leiden nun unter den Folgen des Nierenverlustes?
  • Sie benötigen konkrete Hilfestellung im Umgang mit Kranken- und Rentenversicherungen, sowie Unfallkassen und Kliniken?
  • Sie möchten uns über Ihre Erfahrungen rund um eine Nierenlebendspende berichten?

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf:

Interessengemeinschaft Nierenlebendspende e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Besucheradresse:
Georgenstraße 35
10117 Berlin
Telefon: 030-394 011 30
beratung@nierenlebendspende.com.
Die Vereinbarung eines persönlichen Beratungstermines ist erforderlich.

Postanschrift:
Internationales Handelszentrum Berlin
Friedrichstraße 95
Postbox 19
10117 Berlin

Auf Wunsch erfolgt das Gespräch mit Nierenlebendspendern und Psychologen in Zusammenarbeit mit der Siegmund Freud PrivatUniversität Berlin, dann in den Räumen der Universität.

Die Beratung ist kostenfrei.

Für eine medizinische Beratung stellen wir den Kontakt zu Ärzten her, die frei von persönlichen Interessen sind. Ebenso können wir fachlich versierte Rechtsanwälte für eine Rechtsberatung vermitteln.

Spenden, um unsere wichtige Aufklärungsarbeit zu unterstützen, sind willkommen.

Line

Pinnwand


Zuschriften
Uns erreichen laufend Zuschriften von beschädigten Nierenlebendspendern. Immer wieder erschüttert uns Berichte von Menschen, die einfach nur helfen wollten. Lesen Sie hier sehr persönliches von betroffenen Nierenlebendspendern >

Thiel: Müdigkeit tritt bei Spendern gehäuft auf!
So fing alles an. Lesen Sie hier den E-Mail-Verkehr zwischen dem renommierten Prof. Gilbet Thiel und Christiane Geuer von 2008/2009 >

Gerichtsurteile Zivilrecht zur Aufklärung
Urteile zur Aufklärung vor einer Nierenlebendspende >

Gerichtsurteile Sozialrecht
Urteile zur sozialrechtlichen Absicherung von beschädigten Nierenlebendspendern >

Hintergrund Nierenfunktion
medizinisch – medizinrechtlich – versicherungsrechtlich >

Spenderevaluation
Laden Sie sich hier unsere Empfehlungen zur Auswahl und Eignung als Nierenlebendspender runter >

Line

Spenden

Seit 2012 bilden wir ein starkes Gegengewicht zur völlig unzureichenden und verharmlosenden Aufklärung der Transplantationsmedizin zu den Risiken der Nierenlebendspende.

Zudem setzen wir uns für die Einlösung des durch die Politik gegebenen Versprechens ein, dass Nierenlebendspender zuverlässig sozialversicherungsrechtlich abgesichert sind.

Nicht zuletzt die Sensibilisierung der behandelnden Ärzte für die teilweise erheblichen körperlichen Probleme der Einnierigen (Spender und Nephrektomierte) ist für uns ein besonders wichtiges Anliegen.

Es profitieren deutlich mehr Menschen als unsere Vereinsmitglieder von unseren Informationen. Diese haben wir in jahrelanger Recherche zusammengetragen und aufbereitet. Teilweise unter erheblichen persönlichen Anstrengungen. Denn viele von uns leiden dauerhaft unter den Folgen des Nierenverlustes.

Wenn Sie unsere Arbeit wertschätzen und unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende, egal in welcher Höhe. Eine Spendenquittung ist selbstverständlich. Wir sind als gemeinnütziger Verein vom Finanzamt für Körperschaften I in Berlin anerkannt.

Spende >

Line

Wir sagen:

Die Nierenlebendspende gefährdet den gesunden Spender erheblich. Darum darf sie nur sehr eingeschränkt angewendet werden.

Die Nierenlebendspende ist kein geeignetes Instrument, um die Verfügbarkeit von Organen zu steigern.


Unsere Motive, unsere Geschichte und unseren aktuellen Vorstand können Sie hier kennen lernen >


Kritik, Anregungen, Feedback an kontakt@nierenlebendspende.com

Impressum:

Domaininhaber und -betreiber von www.nierenlebendspende.com
Interessengemeinschaft Nierenlebendspende e. V.
1. Vorsitzender: Ralf Zietz

Bundesgeschäftsstelle:
Georgenstraße 35
10117 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 - 394 011 30
Email: kontakt@nierenlebendspende.com
Internet: www.nierenlebendspende.com

Amtsgericht Charlottenburg VR 36791 B

Postanschrift:
Interessengemeinschaft Nierenlebendspende e. V.
Internationales Handelszentrum Berlin
Friedrichstraße 95
Postbox Nr. 19
10117 Berlin

Der Verein ist vom Finanzamt für Körperschaften I in Berlin unter der Steuer-Nr. 27/668/60255 als gemeinnützig anerkannt und berechtigt entsprechende Spendenbescheinigungen auszustellen.





Förderung durch die „GKV-Gemeinschaftsförderung Selbsthilfe auf Bundesebene“

Line
bg footer