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Newsletter Weihnachten 2018 | Nr. 03/18

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“Eine Lebendspende kann mit hohen Risiken verbunden sein. (...) Eine umfassende Aufklärung ist daher umso wichtiger. Die Interessengemeinschaft Nierenlebendspende e.V. leistet dazu einen wichtigen Beitrag.”

Hermann Gröhe (Bundesgesundheitsminister von 2013 bis 2018)

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Ein kurzer Rückblick

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen. Seit nunmehr sieben Jahren kämpfen wir für den Schutz und die Rechte der Nierenlebendspender. Wir haben es geschafft, dass öffentlich immer deutlicher wird, dass der Verlust einer Niere häufig mit spürbaren Einschränkungen verbunden ist. Wir haben erreicht, dass sich die Aufklärung an vielen Transplantationskliniken verbessert hat, obgleich nach wie vor versucht wird, die teilweise schlimmen Folgen wie das Fatigue-Syndrom oder den Nierenfunktionsverlust klein zu reden oder zu verharmlosen.


Fatigue lässt sich nicht mehr leugnen.

Aufhorchen sollten die Mediziner und Gerichtsgutachter daher bei folgender Meldung, zu finden auf www.psychologie-aktuell.com:

In einer Untersuchung der Transplantationszentren Berlin-Charite, Magdeburg und Düsseldorf sahen Frank Friedersdorff und Kollegen ein differenziertes Bild: Entnahmen die Urologen die Niere in einer offenen Operation, erlitten 17% der Spender ein Fatigue-Syndrom. Nach einer minimalinvasiven Prozedur (Laparoskopie) lag der Anteil bei acht Prozent (UrolInt2016;97:450-456). Bereits 2007 hatte eine niederländische Arbeitsgruppe vergleichbare Ergebnisse berichtet (NedTijdschrGeneeskd2007;151:1352-1360).

Michael Potts und David Evans haben in einer Übersicht die Ergebnisse aus verschiedensten internationalen Studien zusammengefasst und warnen generell davor, die Spenderrisiken zu unterschätzen. Die Wissenschaftler beziehen sich u.a. auf Ergebnisse des Transplantationszentrums Maryland (USA): 738 Spendern wurde minimalinvasiv eine Niere entnommen. 6,8% erlitten im Operationssaal und 17% nach dem Eingriff schwere Komplikationen. Unvermeidlich ist, dass die Restniere des Organspenders überlastet wird - mit einer unübersehbaren Zahl langfristiger Folgen.


Abgesehen davon, dass das Fatigue-Syndrom nach Nierenlebendspende nicht mehr zu verleugnen ist, gibt ein weiteres großes Problem: Die reduzierte Nierenfunktion.


Krank trotz gesunder Einzelniere!

Da durch die Nierenentnahme ca. 30 bis 40 % Nierenfunktion verloren gehen, befindet sich ein sehr großer Anteil der Nierenlebendspender im Stadium einer Nierenerkrankung. Was jedoch bei „klassisch Nierenkranken“ seitens der Medizin für selbstverständlich gehalten wird, nämlich die typischen Symptome wie Leistungsreduzierung, chronische Müdigkeit und Erschöpfung, wird Spendern immer noch als Folge von „nicht erfüllten Erwartungen“ oder labilen Persönlichkeitsstrukturen vorgehalten. Dabei ist es unerheblich, ob zwei kranke Nieren nicht mehr genügend Filterleistung erzeugen oder eine verbliebene gesunde Niere nur noch eine reduzierte Blutreinigung leistet. Die Auswirkungen auf den Körper sind dieselben. Trotzdem behaupten Mediziner, sei es ein Transplantationsmediziner, Gutachter oder Hausarzt, dass die Symptome beim Spender psychischen Ursprungs seien. Sie müssten es besser wissen. Die Auswirkungen des Nierenverlustes sind seit Jahren bekannt. Daher hätte auch seit Jahren eine ordentliche und vor allem umfassende Aufklärung vor einer Nierenlebendspende stattfinden müssen. Da dies nicht der Fall war und auch aktuell nicht vollumfänglich aufgeklärt wird, standen zwei Klagen unvollständig aufgeklärter Nierenlebendspender gegen die Behandler dieses Jahr im Fokus.


Bundesgerichtshof entscheidet!

Am 13. November beschäftigte sich der VI. Senat des Bundesgerichtshofs mit zwei Klagen von Nierenlebendspendern zu Behandlungs- und Aufklärungsmängeln. Die Vorinstanzen hatte Aufklärungsmängel festgestellt, eine Haftung der Mediziner aber mit dem Hinweis auf die sogenannte hypothetische Einwilligung abgelehnt. Emotionale Nähe und Liebe seien Grund genug, auch bei vollständiger Aufklärung über die Risiken, einer Nierenentnahme zuzustimmen, so der Tenor des Oberlandesgerichts Hamm. Die vom Gesetzgeber geforderte emotionale Nähe zwischen Organspender und Organempfänger wird dann zum Haftungsschutz der Behandler, die dann künftig weiter auf vollständige und schonungslose Aufklärung verzichten könnten. Eine katastrophal realitätsfremde Einschätzung des Gerichts, die nun zur Prüfung beim BGH vorliegt. Sollte sich diese Sichtweise durchsetzen und die emotionale Komplexität der Verbindung Organspender zu Organempfänger mit all den emotional-sozialen Abhängigkeiten, Wünschen und Erwartungen, vor und auch insbesondere nach der Spende durch den BGH keine adäquate Bewertung erfahren, sind zukünftige Nierenlebendspender schutzlos der Mitteilungsbereitschaft der aufklärenden Mediziner ausgeliefert.

Die beiden Urteile werden am 29.01.2019 erwartet.


Unfallkassen verweigern die reguläre Anwendung des Gesetztes!

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass nach wie vor beschädigte Nierenlebendspender große Probleme haben, die Anerkennung der durch den Nierenverlust eingetretenen Schäden bei den zuständigen Unfallkassen durchzusetzen. Vor mehreren Sozialgerichten wird aktuell um die Auslegung des vom Gesetzgeber 2012 eingeführten § 12a SGB VII gerungen. Die Beweislastumkehr zu Gunsten der Spender war die Intention - wird seitens der Unfallkassen nicht angewandt!


Wir beraten und helfen!

Umso wichtiger ist zukünftig ein unabhängiges Beratungsangebot. Wie berichtet, sind wir nun in Berlin ansässig. Dort richten wir Anfang 2019 eine


Unabhängige Risiko- und Konfliktberatungsstelle für Nierenlebendspender

ein. Zudem erarbeiten wir gemeinsam mit der Siegmund-Freud-Universität Berlin verschiedene Angebote zur Beratung von Betroffenen und zur Weiterbildung für Therapeuten im Umgang mit Betroffenen.

Über die Entwicklungen werden wir berichten.

Nun aber wünschen wir unseren Lesern besinnliche Weihnachtstage und alles Gute für das Neue Jahr 2019.

Snowman
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Wir sagen:

Die Nierenlebendspende gefährdet den gesunden Spender erheblich. Darum darf sie nur sehr eingeschränkt angewendet werden.

Unsere Motive, unsere Geschichte und unseren aktuellen Vorstand können Sie hier kennen lernen >
Kritik, Anregungen, Feedback an kontakt@nierenlebendspende.com

Impressum:

Domaininhaber und -betreiber von www.nierenlebendspende.com
Interessengemeinschaft Nierenlebendspende e. V.
1. Vorsitzender: Ralf Zietz

Bundesgeschäftsstelle:
Beratungshaus Berlin
Stromstraße 1
10555 Berlin
Tel.: +49 (0) 172/2721018
Email: kontakt@nierenlebendspende.com
Internet: www.nierenlebendspende.com

Amtsgericht Charlottenburg VR 36791 B

Der Verein ist vom Finanzamt Verden (Aller) unter der Steuer-Nr. 48/210/10401 als gemeinnützig anerkannt und berechtigt entsprechende Spendenbescheinigungen auszustellen.





Förderung durch die „GKV-Gemeinschaftsförderung Selbsthilfe auf Bundesebene“

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