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Sterblichkeit von Spendern

  • Nachfolgend ein Überblick über Studien zur Sterblichkeit von Nierenlebendspendern nach der Spende. Diese Liste wird ständig erweitert. Die Originalstudien können bei uns gegen Kostenerstattung bezogen werden, sofern nicht noch Urheberrechte die Weitergabe erschweren. In diesem Fall sind wir bei der Beschaffung gerne behilflich.

     

     

     

  • "Mortality among Living Kidney Donors and Comparison Populations"

     

    Sterblichkeitsrate von Lebendnierenspendern und der Allgemeinbevölkerung


    Julie Lin, M.D., M.P.H., Brigham and Women’s Hospital Boston, MA; Holly Kramer, M.D., M.P.H. Loyola Medical Center; Maywood, IL, Anil K. Chandraker, M.D., Brigham and Women’s Hospital Boston, MA

    Quelle:
    n engl j med 363;8 nejm.org august 19, 2010

    Altersgruppe

    Gesunde Gruppe (als Spender möglich)
    STERBERATE pro 1000 Menschen:

    Ausgeschlossene Gruppe
    STERBERATE pro 1000 Menschen:

    ALLE Teilnehmer

    3,18

    14,58

    20-29

    0,95

    1,96

    30-39

    1,25

    1,95

    40-49

    2,72

    6,56

    50-59

    6,98

    11,91

    60-69

    17,02

    25,19

    70-79

    27,83

    53,01


    Lin et al weisen an über 16.000 Personen nach, dass die Sterblichkeit der Allgemeinbevölkerung deutlich höher ist, als von gesunden Personen, die als Organlebendspender in Frage kommen, aber nicht gespendet haben.

     

    Diese Auswertung nehmen Mjøen et al zum Anlass um dann sie Sterblichkeit der gesunden Personen mit der der Nierenlebendspender zu vergleichen, siehe nächste Seite zu Mjøen et al.

    Lin et al schreiben:

     

    Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass man Langzeitergebnisse von Nierenlebendspendern mit den Todesraten von gesunden Kontrollgruppen vergleichen muss, welche keinerlei medizinische Beeinträchtigung haben, die eine Spende ausschließen würde.

     

    Anzumerken ist, dass die Kriterien für die Lebendspende sich vermutlich mit der Zeit ändern werden. Ein amerikanischer TX Zentrumsreport teilte z. B. mit, dass immer häufiger auch ältere Spender akzeptiert werden und auch Spender die an Hypertonie (Bluthochdruck) litten.

    Wer mehr lesen möchte, hier weitere Auszüge aus der Studie:

    In an article published in the Journal this past year, Ibrahim et al. (Jan. 29,
    2009, issue)1 provide important, much needed data about long-term outcomes of living kidney donors.

    Aussage: Ein Artikel im letzten Jahr Ibrahim et al, 29.01.2009, brachte wichtige, lange benötigte Ergebnisse über die Langzeitergebnisse bei Lebendnierenspenden.


    For a comparison group, the investigators used rates of death in the general population, which included adults with coexisting medical conditions (e.g., heart and kidney disease) that would make them ineligible for kidney donation.
    However, it would be preferable to use as a comparison group persons with a greater similarity to living kidney donors.

    Therefore, we generated death rates for participants in the National
    Health and Nutrition Evaluation Survey (NHANES) III who would be eligible for kidney donation (called the “healthy cohort”).

    Aussage: Als Vergleichsgruppe nahmen Ibrahim et al  die Todesraten der Allgemeinbevölkerung, welche auch Menschen mit existierenden medizinischen Komorbiditäten waren. Z.B. Herz- und Nierenkrankheiten, die sie für eine Spende untauglich machen würden. Es wäre somit besser, eine Vergleichsgruppe zu benutzen, die eine größere Ähnlichkeit mit Spenden hat. Dazu generierten wir Todesraten für Teilnehmer der NHANES III Studie, die für eine Spende zugelassen worden wären. (genannt gesunde Vergleichsgruppe)

    These participants did not have hypertension, diabetes, obesity (defined
    as a body-mass index [BMI; the weight in kilograms divided by the square of the height in meters] of >30), a history of stroke or cardiovascular
    disease (myocardial infarction or congestive heart failure), reduced kidney function (defined as an estimated glomerular filtration rate [GFR] of <80 ml per minute per 1.73 m2 of body-surface area), or microalbuminuria.

    Aussage: Diese Teilnehmer hatten keinen Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Schlaganfallhistorie, Herzkrankheiten, reduzierte Nierenfunktion oder Mikoralbuminurie.


    NHANES III, which was designed as a probability sample of the total U.S. civilian noninstitutionalized population over the age of 2 months, collected health and nutritional data on 33,994 men, women, and children from 1988 through
    1994. Full details of the survey design may be found in the NHANES III operations manual. 2 NHANES III was linked with the National Death
    Index with up to 13 years of follow-up from 1988 through 2000. Data on 16,562 adults who were 20 years of age or older with known vital status were available for analysis.

    Aussage: In  NHANES III wurden 33.994 Menschen von 1988-1994  beobachtet in Bezug auf Gesundheit.  NHANES III wurde mit dem nationalen Todesregister verlinkt. Man folgte Leuten bis zu 13 Jahre. 1988 - 2000. Daten von 16.562 Erwachsenen welche 20 Jahre oder älter waren, konnten analysiert werden.

    After the exclusion of 1241 participants for whom data on estimated GFR or microalbuminuria were missing, 15,321 adults remained.

     

    Aussage: Nachdem 1241 Teilnehmer ausgeschlossen wurden, da man keine GFR oder Mikroalbuminuriedaten hatte, blieben noch 15.321 Erwachsene.

    We first determined that the healthy cohort of 6053 NHANES participants was demographically similar to 16,657 living kidney donors in the United Network for Organ Sharing (UNOS) database for the same period (1988–1994) on the
    basis of mean age (36.7 years in NHANES vs. 37.3 years in UNOS), male sex (46% vs. 45%), white race (78% vs. 73%), black race (8.3% vs. 12.5%), Mexican ancestry (5.3% vs. 10.3%), other racial or ethnic group (8.4% vs. 3.8%), and mean BMI (23.7 vs. 23.5). We then generated death rates according to age and race or ethnic group in the NHANES III healthy cohort and in the cohort that was excluded (Table 1).

    Aussage: Wir bestimmten dass 6053 NHANES III Teilnehmer demografisch den 16.657 Lebendnierenspendern ähnlich waren, die die UNOS in der gleichen Zeit (1988-1994) hatte. Dies geschah auf Basis von gleichem Durchschnittsalter (36,7 Jahre NHANES// 37,3 Jahre UNOS), männlich, weiß, schwarz (...).

    Dann generierten wir eine Todesrate entsprechend dem Alter, der Rasse oder ethnischen Gruppe in der NHANES III GESUNDEN Gruppe und in der NHANES III Gruppe, die ausgeschlossen wurde!

    On the basis of our findings, we suggest that outcome studies for living kidney donors be based on death rates in healthy control subjects who do not have any chronic medical conditions that would exclude living kidney donation. However, an important caveat is that criteria for living kidney donors are likely to change over time. A 2007 survey of U.S. transplantation centers reported that as compared with data from 1995,3 centers were accepting an increased number of potential donors who were older or had hypertension.

    Aussage: Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass man Langzeitergebnisse von Nierenlebendspendern mit den Todesraten von gesunden Kontrollgruppen vergleichen muss, welche keinerlei medizinische Beeinträchtigung haben, die eine Spende ausschließen würde. Anzumerken ist, dass die Kriterien für die Lebendspende sich vermutlich mit der Zeit ändern werden. Ein amerikanischer TX Zentrumsreport teilte z. B. mit, dass immer häufiger auch ältere Spender akzeptiert werden und auch Spender die an Hypertonie (Bluthochdruck) litten.

  • Overall and cardiovascular mortality in Norwegian kidney donors compared to the background population“


    Quelle:
    Nephrol Dial Transplant (2012) 27: 443-447, doi: 10.1093/ndt/gfr303
    Norway, Oslo
    Mjøen et al

    Die Studie von Mjøen et al bezieht die Daten auf die Studie von Lin et al.

    Abstrakt:
    Es gibt Befürchtungen bezüglich der Langzeitrisiken eines Nierenlebendspenders.  Kardiovaskuläre Mortalität wurde noch nicht evaluiert.
    Ziel dieser Studie war es, die generellen und kardiovaskulären Risiken von früheren Nierenspendern im Vergleich zur Normalbevölkerung zu evaluieren.

    Alle Lebendspender zwischen 1963-2007 in Norwegen wurden einbezogen.

    Kontrollgruppen wurden zugeordnet: 3 x eine Kontrollperson pro Nierenspender. Alter, Geschlecht und Geburtsjahr wurden zugeordnet (Beachte: durch das Statistische Amt in Norwegen - vermutlich bestand nie direkter Kontakt). Der Sterbegrund der Kontrollpersonen wurde aus dem Todesregister gezogen.

    Resultate:
    Im genannten Zeitraum gab es 2269 Nierenlebendspender. Durchschnittliches Alter bei Spende war 47,6 Jahre. 41,3% waren männliche Spender. Kontrollgruppe: 6807 Personen.


    Durchschnittliche Beobachtungszeit waren 14,3 Jahre. 324 Spender starben in dieser Zeit. Sterbegründe waren bei Spendern und der Kontrollgruppe ähnlich.

     

    Außer bei altersgeschichtetem Vergleich, da war die Sterberate bei älteren Spendern erhöht!

    Conclusion:
    Die Gesamt- und kardiovaskulären Sterberaten sind teilweise beruhigend. Jedoch muss die höhere Sterbequote bei alten Spendern weiter in Studien thematisiert werden.


    Übersetzte Auszüge aus der Studie:


    Die gängige Praxis ist die, dass man annimmt, dass ein sorgfältig ausgewählter Nierenlebendspender, der qualifizierte Nachbetreuung erhält, keine zukünftigen medizinischen Risiken zu erwarten hat.
    Jedoch ist die Datenlage, die diese Sichtweise unterstützen soll, kaum vorhanden und behindert durch methodische Probleme.


    Es wurden in früheren Studien Hinweise auf einen leichten Anstieg der Proteinurie und der Hypertonie gefunden. In der Allgemeinbevölkerung wurden solche Anstiege dieser Parameter mit einem vorzeitigem Herztod und insgesamt erhöhter Mortalität in Verbindung gebracht. Trotzdem wurde die Lebenserwartung der Nierenspender bisher als gleich oder besser als die der Allgemeinbevölkerung beschrieben.

    Solche Studien berücksichtigen jedoch nicht, dass Lebendspender extrem gesund sind (Anmerk.: sein sollten!) und selbstverständlich eine substantiell längere Lebenserwartung und weniger medizinische Probleme haben müssten, als die Allgemeinbevölkerung.

    Darum gab es einige wenige Studien, die Spender mit ausgewählten Kontrollgruppen vergleichen haben, deren Gesundheitsstatus mit dem eines Lebendspenders vergleichbar ist.

    Diese Daten sind zwar ermutigend, aber es braucht Studien mit einem längeren Beobachtungszeitraum und von verschiedenen Populationen, um wirklich die Nierenlebendspendepraxis rechtfertigen zu können.


    Spender hatten eine geringere Sterbequote als die Vergleichsgruppe.

    Bei den Sterbegründen war kardiovaskulärer Tod ganz vorne. Spender hatten eine leicht geringere Sterberate auf Grund kardiovaskulärer Ereignisse.

    Sechs der 274 Spender, bei denen man die Todesursache wusste, hatten Nierenkrankheit als Haupttodesursache auf dem Totenschein. Fünf davon mit chronischem Nierenversagen, einer mit Glomerulonephritis. In der Vergleichsgruppe hatten 9 Personen Nierenkrankheitenauf dem Totenschein stehen.

    Diskussion:
    Hauptergebnis der Studie war, dass Spender eine niedrigere generelle und kardiovaskuläre Mortalität hatten wenn man sie mit der hiesigen zugeordneten Kontrollgruppe verglich.

    Dann beschreibt der Autor noch Studien, die ein besseres Ergebnis der Mortalität bei Spendern hatten, betont aber, dass zwei dieser Studien auf eine durchschnittliche Beobachtungszeit von 6 Jahren reduziert waren.

    Hauptsterbegründe der Studie waren Kardioprobleme und Krebs, wie auch in der Allgemeinbevölkerung. Das ist ein Ergebnis, welches auch andere Studien teilen.

    Nierenkrankheit als Sterbegrund war in dieser Studie bei Spendern leicht erhöht, obwohl insgesamt selten.

    Die älteste Spendergruppe (70-79 Jahre) hatte eine höhere Sterberate als eine Vergleichsgruppe. Hier nehmen sie aber nicht ihre Vergleichsgruppe, sondern eine andere Studie (Lin et al).

    Lin et al hatten vorher die Sterberaten altersgeschichtet angeschaut (auf eine gesunde Vergleichsgruppe).
    Diese Studie macht gleiches nun mit den Spendern. Hier eine Gruppe von 1980-2002, Anzahl: 1594 Spender.

    Ergebnisse:
    In den Altersgruppen 20-60 sind die Sterberaten (Anzahl Tote/ 1000 Personen) zwischen Spendern und der damaligen Vergleichsgruppe von Lin et al ähnlich.

    Jedoch sind in der Gruppe 60-69 Jahre auf der Spenderseite im Schnitt 22,07 Tote auf 1000 Personen zu finden. Bei der Vergleichsgruppe jedoch nur 17,02/1000.

    Im Alter 70-79 Jahren: 44,32 tote Spender auf 1000 Personen stehen nur 27,83 toten Personen der Vergleichsgruppe gegenüber!

    Mjøen et al schreiben dazu:


    Diese Unterschiede sind besorgniserregend und benötigen weitere Untersuchungen. Insbesondere da immer ältere Menschen als Spender akzeptiert werden.

    Der Autor beschreibt zudem die Grenzen dieser Studie:

    a) Vergleichsgruppe immer schwierig

    "Ein Vergleich mit der Vergleichsgruppe kann die Möglichkeit reduzieren, einen in Wirklichkeit gestiegenen Anstieg der Spendermortalität zu entdecken, da Spender gesamt gesünder sind als die alters- und geschlechtszugeordnete Vergleichsgruppe. 

    Solch ein Vergleich sollte wenn möglich gegenüber einer Gruppe gemacht werden, die die Kriterien für eine Spende erfüllen."

    b) keine Möglichkeit, genetische und Erbkrankheiten zu entdecken und kontrollieren

    Es besteht Bedarf an weiteren Langzeitstudien, bevorzugterweise mit den richtigen Kontrollgruppen. Auch die erhöhte Sterbequote bei älteren Spendern muss weiter untersucht werden.

    Unsere eigene Kurzanalyse:
    Diese Studie schreibt besorgniserregende Sätze, (siehe unten). Es gäbe keine tragbare Datenlage, die die Nierenlebendspendepraxis rechtfertige.

     

    Unerwähnt bleibt die Möglichkeit von Spätfolgen als Ursache für die ab dem 60. Lebensjahr ansteigende Sterberate auf Grund der jahrelangen Belastung des Körpers durch die fehlende Niere. Demnach ist nicht das höhere Alter eines Spenders das Hauptrisiko, sondern die steigende Sterberate von Spendern ab dem 60. Lebensjahr ist das Ergebnis der Nierenlebendspende Jahre bis Jahrzente zuvor.

    Mjøen et al schreiben, dass man eine gute Vergleichsgruppe braucht und gestehen ein, dass ihre eigene Vergleichsgruppe wohl eher suboptimal ist.

    Zur Erinnerung:
    "Die gängige Praxis ist die, dass man annimmt, dass ein sorgfältig ausgewählter Nierenlebendspender, der qualifizierte Nachbetreuung erhält, keine zukünftigen medizinischen Risiken zu erwarten hat. Jedoch ist die Datenlage, die diese Sichtweise unterstützen soll, kaum vorhanden und behindert durch methodische Probleme."

    …aber es braucht Studien mit einem längeren Beobachtungszeitraum und von verschiedenen Populationen, um wirklich die Nierenlebendspendepraxis rechtfertigen zu können.

    Auszug aus der tabellarischen Zusammenstellung:

    Altersgruppe

    Sterberate norwegischer Nierenlebendspender

    Sterberate gesunde Vergleichsgruppe
    (Lin et al)

    20-59

    unauffällig

    unauffällig

    60-69

    22,07/1000

    17,02/1000

    70-79

    44,32/1000

    27,83/1000


    Nach der Studie von Mjøen et al sterben Nierenlebendspender ab dem 60. Lebensjahr häufiger, als gesunde Vergleichspersonen, unabhängig davon, wann sie gespendet haben.

  • Long-term risks for kidney donors

     

    Quelle:

    Kidney International 86, 162-167 (July 2014) | doi:10.1038/ki.2013.460

     

    Geir Mjøen, Stein Hallan, Anders Hartmann, Aksel Foss, Karsten Midtvedt, Ole Øyen, Anna Reisæter, Per Pfeffer, Trond Jenssen, Torbjørn Leivestad, Pål- Dag Line, Magnus Øvrehus, Dag Olav Dale, Hege Pihlstrøm, Ingar Holme, Friedo W Dekker and Hallvard Holdaas

     

    Link: http://www.nature.com/ki/journal/v86/n1/full/ki2013460a.html

     

    Download Studie Mjøen et al.

    Download Kommentar Boudville and Garg

     

    Abstract:

    Previous studies have suggested that living kidney donors maintain long-term renal function and experience no increase in cardiovascular or all-cause mortality. However, most analyses have included control groups less healthy than the living donor population and have had relatively short follow-up periods. Here we compared long-term renal function and cardiovascular and all-cause mortality in living kidney donors compared with a control group of individuals who would have been eligible for donation. All-cause mortality, cardiovascular mortality, and end-stage renal disease (ESRD) was identified in 1901 individuals who donated a kidney during 1963 through 2007 with a median follow-up of 15.1 years. A control group of 32,621 potentially eligible kidney donors was selected, with a median follow-up of 24.9 years. Hazard ratio for all-cause death was significantly increased to 1.30 (95% confidence interval 1.11–1.52) for donors compared with controls. There was a significant corresponding increase in cardiovascular death to 1.40 (1.03–1.91), while the risk of ESRD was greatly and significantly increased to 11.38 (4.37–29.6). The overall incidence of ESRD among donors was 302 cases per million and might have been influenced by hereditary factors. Immunological renal disease was the cause of ESRD in the donors. Thus, kidney donors are at increased long-term risk for ESRD, cardiovascular, and all-cause mortality compared with a control group of non-donors who would have been eligible for donation.

     

    Abstract (Deutsch):

    Frühere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Lebendnierenspender eine langfristige Nierenfunktion beibehalten und keine Zunahme der Herz-Kreislauf- oder Gesamtsterblichkeit erfahren. Allerdings haben die meisten Untersuchungen weniger gesunde Kontrollgruppen als die der Lebendnierenspender mit einbezogen und die Follow-Up-Zeiträume waren relativ kurz. Hier haben wir die langfristige Nierenfunktion und die Herz-Kreislauf- sowie die Gesamtsterblichkeit bei Nierenlebendspendern mit einer Kontrollgruppe von Personen verglichen, die für eine Spende geeignet gewesen wären. Die Faktoren Gesamtmortalität, Herz-Kreislauf-Sterblichkeit und terminale Niereninsuffizienz (ESRD) wurde bei 1.901 Personen erhoben, die 1963 bis 2007 mit einem medianen Follow-Up von 15,1 Jahren eine Niere gespendet haben. Es wurde eine Kontrollgruppe von 32.621 potentiell geeigneten Nierenlebendspendern ausgewählt mit einem medianen Follow-Up von 24,9 Jahren. Verglichen mit der Kontrollgruppe ist der Risiko-Quotient für die allgemeine Sterblichkeit der Spender signifikant auf 1.30 (95 % Konfindenzintervall 1,11 – 1,52) angestiegen. Es gab einen entsprechend signifikanten Anstieg von kardiovaskulären Todesfällen auf 1.40 (1.03 – 1.91), während das Risiko von ESRD außerordentlich signifikant auf 11.38 (4.37 – 29.6) angestiegen ist. Das Gesamtvorkommen von ESRD unter den Spendern betrug 302 Fälle je eine Million Personen und könnte möglicherweise durch erbliche Faktoren beeinflusst worden sein. Immunologische Nierenerkrankung war die Ursache von ESRD bei den Spendern. Damit besteht für Nierenlebendspender ein erhöhtes Langzeitrisiko für ESRD, Herz-Kreislauf- und Gesamtsterblichkeit im Vergleich zu der Kontrollgruppe von Nichtspendern, die für eine Spende geeignet gewesen wären.

     

    Kommentar:

    Bis vor kurzem wurde öffentlich behauptet "Lebendorganspender leben länger" (z. B. hier). Damit sollten Menschen motiviert werden, sich als Lebendorganspender zur Verfügung zu stellen. Die Risiken seien nicht sehr hoch. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass schon die Wahl der Vergleichsgruppe, nämlich die "Normalbevölkerung", wissenschaftlich falsch ist. Was sich bereits 2012 mit einer Vergleichsstudie andeutete (siehe letzte und vorletzte Seite), ist nun bestätigt. Das Sterblichkeitsrisiko durch eine Nierenlebendspende steigt generell um ca. 30 %. Das Risiko an kardiovaskulären Ereignissen zu versterben sogar um 40 %. Verglichen wird richtigerweise mit einer gesunden Vergleichsgruppe von Menschen, die Spenden könnten. Eigentlich sind diese Fakten nicht verwunderlich, da doch längst bekannt ist, dass durch die Nierenfunktionseinschränkung kardiovaskuläre Risikomarker im Blut (z. B. Homocystein, Faktor VIII) steigen. Die eindrucksvollen Daten aus dem Schweizer SOL-DHR von 2011, die kardiovaskuläre Erkrankungen bei fast der Hälfte der Schweizer Nierenlebendspender aufzeigen, unterstreichen dies zusätzlich.

     

    Fraglich bleibt, ob diese eindeutigen Studienergebnisse Einzug in die Aufklärung der potentiellen Nierenlebendspender finden werden. Wir werden dies weiter beobachten und kommentieren.

     

     

     

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