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Nierenfunktion und Folgen

  • Folgende Studien und Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Nierenfunktion von Nierenlebendspendern, aber auch allgemein mit den Folgen einer Nierenunterfunktion.

     

    Es gibt keinen Unterschied zwischen einer Nierenfunktionseinschränkung auf Grund einer Nierenerkrankung oder auf Grund einer Nierenentnahme. In beiden Fällen geht Nierenmasse (Nephrone) verloren. Die Folgen sind eine schlechtere Blutreinigung, sinkende Belastbarkeit und schnellere Ermüdung, kognitive Störungen wie eingeschränkte Merkfähigkeit und sinkendes Konzentrationvermögen, sowie ansteigende kardiosvaskuläre Krankheitsrisiken.

     

    Selbstverständlich werden diese Fakten von Transplantationsmedizinern ignoriert oder sogar negiert.

  • Fatigue in CKD

     

     

    In Control - A Medical Education Institute/Life Options Publication Vol. 1 No. 4 - Dezember 2004

     

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    eigene Übersetzung

     

    (Bitte unsere Schlussbemerkung am Ende des Textes beachten!)

     

    Im Jahre 2004 erschien der Artikel „Fatigue in CKD“ als Leitfaden für Ärzte und Patienten in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „In Control“. Dort wurden fatigueartige Symptome, die schon bei milder Niereninsuffizienz (CKD II) auftreten können, besprochen. Da diese auf Grund der mangelnden Selbsteinschätzung der Patienten oft nicht in einen Zusammenhang mit einer Nierenschwäche gebracht werden, sollen Ärzte verstärkt nach den Symptomen bzw. deren Auswirkungen im Alltag fragen. So kann schon eine milde Anämie zur Fatigue führen.

     

    Ein Großteil der Nierenlebendspender befindet sich nach der Spende in einem milden Nierenfunktionsstörungsbereich (CKD II, GFR 80 < 60) und ein weiterer erheblicher Anteil (bis zur Hälfte) sogar im Niereninsuffizienzbereich (CKD III, GFR 60 < 30), was als moderate Nierenfunktionsstörung bezeichnet wird. Es gibt keine Studien darüber, dass ein vergleichbarer Funktionsverlust mit einer gesunden Niere weniger Symptome auslöst, als mit zwei kranken Nieren. Es gibt aber Studien, die darauf hinweisen, dass Nierenlebendspender mit typischen Folgen der Nierenunterfunktion zu kämpfen haben. Laut AQUA-Register (Daten 2011) verlassen 75 % der Nierenlebendspender das Krankenhaus mit einer Nierenunterfunktion CKD III. Nachdem wir auf diesen Umstand hingewiesen haben, werden diese Daten nicht mehr veröffentlicht! Zudem gibt es genügend Berichte über chronische Müdigkeit und Erschöpfung von Spendern nach einer Nierenlebendspende.

     

    Leider stehen Transplantationsmediziner nach wie vor auf dem Standpunkt, dass bei einem Spender mit solchen Werten nicht die Symptome eines gleichwertig "normalen" Kranken auftreten. Dafür gibt es weltweit nicht einen einzigen Beleg und trotzdem vertritt die Transplantationsmedizin vehement diese Meinung. Wir halten das für dreiste Vertuschung. Ernsthafte Einschränkungen in der Lebensqualität der Lebendspender, die es tatsächlich gibt, müssen so nicht anerkannt werden. Notwendige juristische Konsequenzen bleiben daher der Medizin, der Politik und der Öffentlichkeit erspart. Aus diesem Grund sind bereits mehrere Gerichtsverfahren gegen deutsche Transplantationskliniken anhängig oder in Planung (Stand April 2018 zwei Verfahren beim BGH). Anders scheint keine Veränderung im Umgang mit Nierenlebendspendern möglich zu sein.

     

    Selbst in medizinischen Lehrbüchern wird erwähnt, dass bereits bei leichter Nierenfunktionseinschränkung Symptome wie Müdigkeit auftreten können (z. B. Thieme, Nephrologie). Eine mindestens leichte Nierenfunktionseinschränkung haben aber nahezu alle Spender.


    Daher kann der Leitfaden zur Fatigue bei CKD uneingeschränkt auch auf Nierenlebendspender übertragen werden. Besonders bemerkenswert ist der eigene wenig offene Umgang der Patienten mit ihrer einschränkenden Müdigkeit.  Einige haben Angst, als Schwächlinge dazustehen. Andere schieben es auf ihr Alter und werden nicht selten hierbei von Ärzten unterstützt. Weitere drücken sich so aus, dass Ärzte nicht weiter nachfragen. Diese Leitlinie berät Ärzte, wie sie das Symptom Müdigkeit erfragen können und somit mögliche Therapien einleiten können. Insbesondere für Lebendspender gilt dies, denn selbst wenn man als Lebendspender vehement auf die Müdigkeitssymptomatik verweist, wird von Ärzten der Zusammenhang mit der Nierenlebendspende abgestritten  - auch wenn Fatigue/Müdigkeit erstmals exakt seit der Spende auftrat. Dafür haben wir reale Beispiele gesammelt.

     

    Für die Ärzte, die nun eine Anämie bei Hämoglobinwerten im unteren Normbereich negieren, empfehlen wir die Lektüre der aktuellen Studie "Exertional Fatigue in Patients with CKD" (AJKD 2012) auf unserer Homepage. Dort wurde Fatigue bei Nierenkranken untersucht und man stellte fest, dass selbst bei sehr milder Anämie aus bislang unbekannten Gründen der kompensatorische Mechanismus des erhöhten Herzschlagvolumen (um den Sauerstofftransport in die Zellen zu gewährleisten) bei diesen Patienten nicht funktioniert. Somit traten trotz milder Anämie erhebliche Probleme in der Sauerstoffversorgung und ein überwiegend anaerober Stoffwechsel selbst bei Alltagstätigkeiten auf - mit der logischen Folge einer stark erhöhten Belastungsmüdigkeit.

     

    Bei der Behandlung von bereits mild oder moderat nierenfunktionsgestörten Patienten - dies schließt die meisten Nierenlebendspender ein - ist unbedingt zu beachten:

     

    Nicht nur bereits leicht niedrige, sondern auch "noch" normale Hämoglobinwerte können einen gestörten Sauerstofftransport zu den Zellen und eine daraus resultierende Belastungsmüdigkeit (bzw. fatigueartige Symptome) zur Folge haben.

     

    Schlussbemerkung

     

    Die genauen Ursachen der nierenbedingten Müdigkeit sind nicht bekannt und sehr wenig erforscht. Die milde bis starke Anämie ist die "greifbarste" Veränderung, deren Behandlung oftmals die schlimmsten Symptome mindern kann. Jedoch gibt es auch Fatigue bei Nierenproblemen, deren Ursache nicht in der Anämie zu finden ist und die bislang weitgehend unerforscht ist. Fakt ist, dass die Niere für komplexe hormonelle Vorgänge im Körper verantwortlich ist, bei welchen schon kleine Veränderungen der Parameter eben diese und weitere Symptome hervorrufen kann.

     

    Da auch Nierenlebendspender mit einer normalen Nierenfunktion über fatigueartige Symptome klagen, werden u. a. folgende, sich auch überlagernde, Ursachen der fatigueartigen Symptome (inzwischen auch von befragten Ärzten) diskutiert:

    • Nierenfunktionseinschränkung, dadurch (auch milde) Anämie, Vitaminmangel, Homocysteinämie, kardiovaskuläre Erkrankungen, u. v. a.
    • Organverlust, dadurch Verlust der Hälfte der hormonellen und metabolischen Funktion des Organs "Niere". Umstellung des Hormon- und Stoffwechselhaushaltes mit kausalen negativen Konsequenzen auf weitere Körperfunktionen (Schilddrüse, Darm, Gehirn etc.).
    • Trennung der Nierennerven kann zur asymmetrischen Aktivierung des autonomen Nervensystems führen. Sympathikus und Parasympatikus geraten aus dem Gleichgewicht. Dadurch Störung von Neurotransmitter im Nervensystem, die für die einwandfreie Informationsübertragung verantwortlich sind.

     

    Die Diskussion um die fatigueartigen Symptome nach einer Nierenlebendspende dreht sich auch immer wieder um das sogenannte "Chronik Fatigue Syndrom" (CFS). Dieses beruht jedoch auf weitestgehend unbekannten Ursachen und wird durch eine sogenannte Ausschlussdiagnostik eingegrenzt. Auch beim CFS liegen, nach überwiegender fachmedizinischer Auffassung, hormonelle und metabolische Veränderungen im Körper vor.

     

    Daher sprechen wir bei der die Nierenlebendspender betreffenden Symptomatik ausdrücklich nicht von CFS, sondern von ähnlichen "fatigueartigen Symptomen". Wie die oben aufgeführten möglichen Ursachen zeigen, liegen für die Krankheitssymptomatik der betroffenen Nierenlebendspender eindeutige Vermutungen, oder bekannte biologische Erklärungen vor.

  • The Performance of Three Serum Creatinine-Based Formulas in Estimating GFR in Former Kidney Donors

     

    Ein Vergleich der drei Serum-Kreatinin-basierten
    Formeln zur GFR Schätzung beim Nierenspender

     

    H. N. Ibrahim, T. Rogers, A. Tello and A. Matas

     

    American Journal of Transplantation 2006; 6: 1479–1485

     

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    Ergebnis:

     

    Nur die Schätzungen nach den MDRD- und Cockcroft-Gault-Formeln für die GFR bei Nierenspendern sind innerhalb einer klinisch akzeptablen Bereich gegenüber der tatsächlichen GFR. Die Mehrheit der Nierenspendern hat eine ausgezeichnete Nierenfunktion und die MDRD-Formel ist das empfohlene GFR-Schätz-Modell für diese Population.

     

    Anmerkung: Bei einer GFR von unter 80 ml/min. kann es zu Müdigkeit und Erschöpfungszuständen kommen. Das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen steigt mit Abnahme der der GFR.

     

  • CFS/ME may be major cause of Chronic Kidney in non-diabetic populations

     

     

    CFS/ME könnte die Hauptursache für eine chronische Nierenerkrankung bei Nicht-Diabetikern sein

     

    By Dr. Tae H. Park CFS/ME Clinic of Seoul, South Korea

     

    Journal of IiMm 2007, S. 5/72 bis 7/72

     

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    Ergebnis:

     

    Die Studie von Dr. Tae H. Park aus 2007 zeigt, dass 88 % der untersuchten CFS-Patienten niereninsuffizient mindestens im Stadium II (Normalbevölkerung 39 % lt. Studie) und 46 % der CFS-Patienten niereninsuffizient sogar im Stadium III (Normalbevölkerung 19 %) sind und kommt zu dem Schluss, dass das Chronik-Fatigue-Syndrom eine Nierenschwäche begünstigt.

     

    Kommentar:

     

    Diese Schlussfolgerung ist vermutlich der Sicht des CFS-Forschers geschuldet.

     

    Zusammen mit der Studie „Exertional Fatigue in Patients With CKD“ wird das Bild klarer: Schon eine moderate Nierenschwäche, auch nach Nierenverlust, führt zu körperlichen und kognitiven Leistungsverlusten und Müdigkeit, die dem Krankheitsbild des CFS entsprechen, hier aber als „Fatigue nach Nierenverlust“ zu bezeichnen sind.

     

    Tatsächlich dürfte also die Kausalität in die andere Richtung laufen. Das legen zumindest die von uns an anderer Stelle gezeigten Erkenntnisse aus der Nephrologie nahe. Die von Park untersuchten Patienten sind niereninsuffizient und leiden entsprechend ihrer eingeschränkten Nierenfunktion an fatigueartigen Symptomen. Diese deutet Park als CFS/ME-Erkrankung.

     

     

    Erklärung:

     

    CFS/ME

    • Long-term Outcomes of Kidney Function in Living Kidney Donors – The Gothenburgh Experience

       

      Langzeitergebnisse der Nierenfunktion bei Nierenlebendspendern - Erfahrungen aus Gothenburg

       

      I. Fehrman-Ekholm, A. Lennerling, L. Mjörnstedt

       

      Transplantationsmedizin 2010, 22. Jahrg., S. 255

       

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      Originaltext der Studie:

       

      Hintergrund: Es ist wichtig, das Wissen über die Langzeitergebnisse von Lebendnierenspendern zu erweitern und sich mehr mit diesem Thema zu befassen. Wir transplantieren zwar schon seit über 40 Jahren Organe von lebenden Spendern, jedoch gibt es für diese Spender erst seit kurzem regelmäßige Kontrolluntersuchungen.


      Material und Methoden: An unserem Krankenhaus wurden von 1965 bis 2006 insgesamt 1100 Lebendspende-Nephrektomien durchgeführt. Wir haben die Spender ausfindig gemacht, ihren allgemeinen Gesundheitszustand beurteilt und uns auf die Nierenfunktion konzentriert, indem wir die glomeruläre Filtrationsrate und die Albuminexkretion im Urin gemessen haben.


      Ergebnisse: Acht der 1100 Spender, vorwiegend männliche Spender, hatten eine terminale Nierenerkrankung (ESRD) entwickelt (p<0.05). Von den 823 Spendern, die noch am Leben waren und in unsere Auswertungen eingeschlossen werden konnten, antworteten 668 auf unseren Fragebogen und von 573 Spendern konnten wir eine p-Kreatinin-Probe zur Schätzung der GFR (eGFR) erhalten. Die mittlere Dauer seit der Organspende betrug 15 (9) Jahre und das mittlere Alter der Personen lag bei 62 (12) Jahren. Wenn MDRD zur Schätzung der eGFR verwendet wurde, dann fielen 10% der Spender in die Gruppe I der chronischen Nierenerkrankung (CNV), 66% in Gruppe II, 23% in Gruppe III, 0% in Gruppe IV und 1% in Gruppe V. In der letzten Gruppe befinden sich ein Spender, der Dialyse erhält, sowie zwei Spender, die aufgrund von ESRD (Anmerkung: ESRD = End-stage renal disease, Nierenversagen im Endstadium) ein Transplantat erhalten hatten.


      Schlussfolgerungen: Die Langzeit-Nierenfunktion nach Lebendnierenspende ist hervorragend, die Mehrzahl der Spender weist eine geschätzte GFR zwischen 60-90 ml/min auf.

       

      Anmerkungen: Zwei Drittel dieser Spender leben mit einer verminderten Nierenfunktion (60 ml/min < GFR < 90 ml/min, CKD II). Ein Viertel der Spender muss sogar mit einer Nierenfunktion unter 60 ml/min zurecht kommen. Zwar gilt CKD II, sofern keine anderen Auffälligkeiten wie erhöhte Eiweißausscheidungen vorhanden sind, noch nicht als nierenkrank, aber es ist bekannt, dass es schon in diesem Stadium zu einer körperlichen und geistigen geringeren Leistungsfähigkeit kommen kann und man häufigere und längere Rugepausen benötigt. Bei weiterem Abfall der Nierenfunktion, steigt die Anfälligkeit für frühe Ermüdungserscheinungen bis, individuell unterschiedlich, weitere Symptome auftreten, die wir als "fatigueartige Symptome" bezeichnen. Diese Symptomatik wird für das Stadium III eindeutig beschrieben. Es liegt also nahe, dass sehr viele der Nierenlebendspender in unterschiedlich starker Weise unter Erschöpfung und Ermüdung, sowie weiterer Symptome leiden können. Inwieweit die drei erwähnten Spender (Stadium V), die dialysepflichtig bzw. transplantiert wurden, dieses Stadium auf Grund der Nierenspende erreicht haben, kann zwar nicht eindeutig bewiesen werden, aber indiziert ist es laut der Studie von Fehrman-Ekholm, Norden, Lennerling von 2006 ("Higher Prevalence of End Stage Renal Disease (Esrd) Among Live Kidney Donors Than Expected") durchaus. Bei der Untersuchung von über 1.000 Nierenlebendspendern wurde festgestellt, dass diese ein siebenmal höheres Risiko haben, ein Nierenversagen zu erleiden, als die Normalbevölkerung.

       

      Die Schlussfolgerung der Studie ist positiv, obgleich wir das auf Grund der Daten nicht nachvollziehen können. Allein der Umstand, das 23 % dieser Nierenlebendspender als nierenkrank einzustufen sind und das es dadurch nicht nur zu Erschöpfungszuständen kommt, sondern weitere erhebliche gesundheiltiche Risiken (kardiovaskuläre Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes etc.) die Folge sind, wie die Daten von Prof. Thiel vom SOL-DHR beweisen, zeigt, dass das übliche Verfahren zur Auswahl der Nierenlebendspender völlig inakzeptabel ist.

      Exertional Fatigue in Patients With CKD

       

      Belastungsfatigue bei Patienten mit CKD

       

      Jamie H. Macdonald, PhD, Lee Fearn, MSc, Mahdi Jibani, FRCP, and
      Samuele M. Marcora, PhD

       

      Am J Kidney Dis. 2012;60(6):930-939

       

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      eigene Auswertung der Studie

       

      Diese Studie von 2012, die die häufig auftretende Belastungsfatigue bei Patienten mit moderaten bis schweren Nierenfunktionseinschränkungen untersuchte, kommt zu dem Ergebnis, dass der typischerweise (nur) leicht reduzierte Hämoglobinwert der Patienten einen reduzierten Sauerstofftransport zu den Zellen zur Folge hat.  Da die Aufgabe des Hämoglobins der Sauerstofftransport zu den Zellen ist, überrascht dieses Ergebnis vorerst nicht.

       

      Jedoch erwartete man, dass - wie bei gesunden Menschen - ein kompensatorischer Mechanismus greifen würde. Man ging bisher davon aus, dass die Herzleistung so gesteigert würde, dass mehr Blut in höherer Geschwindigkeit durch den Körper geschleust wird, um letztlich den Sauerstofftransport in gleichem Maße zu gewährleisten.

       

      Genau dies ist aber nicht der Fall!

       

      Unerwarteter Weise erhöhte sich die Herzleistung nicht, so dass die Betroffenen schon bei sehr geringer Belastung im anaeroben Stoffwechsel arbeiteten. Dies führt schon im niedrigen Belastungsbereich zu signifikant erhöhten Laktatwerten. In deren Folge kommt es schon unter geringer Belastung zur entsprechende Müdigkeit bzw. Belastungsfatigue als chronische Symptomatik einer Nierenunterfunktion.

       

      Was bedeutet dies für viele Nierenlebendspender?

       

      Auch diese Studie ist auf eine Vielzahl von erschöpften Nierenlebendspender übertragbar.

      • Bis zur Hälfte der Spender sind mindestens moderat nierenfunktionsgestört (CKD III). Etliche davon im unteren Bereich. Da der Hämoglobinwert "fließend" mit der abnehmenden Nierenfunktion sinkt, sind auch schon fatigueartige Symptome bei geringer Anämie zu erwarten. Siehe auch Artikel aus "In Control von 2004".
      • Durch eine Nierenentnahme reduziert sich die Erythropoetin/Epo Produktion, also auch  der Hämoglobin Wert beim Spender.
      •  Zahlreiche Studien weisen auf die reduzierte Vitalität und /oder erhöhte Müdigkeit / Fatigue beim Spender hin. Viele Nierenlebendspender berichten von deutlich empfundenen Sauerstoffmangel unter sportlicher Belastung, oder auch nur beim einfachen Treppensteigen oder zügigem Wandern. Ein Grund dafür wurde nie gesucht, weshalb auch wir Erklärungen nur bei Nierenkranken mit ähnlicher Nierenfunktion suchen können. Fatigue ist als das Symptom einer Niereninsuffizienz bekannt, welches die Lebensqualität am schwersten beeinträchtigt. Aber bei nicht dialysepflichtigen nierenkranken Patienten ist Fatigue kaum erforscht.
      • Die Krankheitssymptome aller uns bekannten und erkrankten Nierenlebendspender sind in hohem Maße auf die Ergebnisse dieser Studie übertragbar.
        • empfundener Sauerstoffmangel unter Belastung
        • eine schnelle Ermüdbarkeit
        • ein sehr starker Leistungsabfall
        • erhöhte Infektanfälligkeit
        • vermehrte Kopfschmerzen, Muskelschmerzen
        • anhaltende Erschöpfung nach Belastung
        • nach Belastung für lange Zeit unfähig einfachste Alltagsdinge zu bewältigen
        • u. v. a.

      Is cyctatin C valuable marker of glomerular filtration rate in living kidney donors after uninephrectomy?

       

      Ist Cyctatin C ein aussagekräftiger Marker der glomerulären Filtrationsrate für Nierenlebendspender nach der Nierenspende?

       

      Bieniasz M, Kwiatkowski A, Gozdowska J, Domagala P, Kieszek R, Drozdowski J, Ostrowski L, Zygier D, Lazowski T, Chmura A.

       

      Transplant Proc. 2012 Dec;44(10):2910-2. doi: 10.1016/j.transproceed.2012.05.087. Epub 2012 Nov 3.

       

      Link zur Studie

      Download Studie

       

      Ergebnis:

       

      Für Nierenlebendspender nach Nephrektomie ist die MDRD Gleichung für die GFR-Schätzung genauer als die Cockroft-Gault-Formel und der Cystatin C Wert und sollte die bevorzugte Formel bei diesen Patienten sein.

       

      Risk of End-Stage Renal Disease Following Live Kidney Donation

       

      Die Gefahr eines Nierenversagens in Folge einer Nierenlebendspende

       

      Abimereki D. Muzaale, MD, MPH; Allan B. Massie, PhD; Mei-Cheng Wang, PhD; Robert A. Montgomery, MD, DPhil; Maureen A. McBride, PhD; Jennifer L. Wainright, PhD; Dorry L. Segev, MD, PhD

       

      JAMA. 2014;311(6):579-586. doi:10.1001/jama.2013.285141.

       

      Link zur Studie

       

      Link zum Bericht der Ärzte Zeitung Online

       

      Ergebnis:

       

      Das Lebenszeitrisiko für ein terminales Nierenversagen (ESRD) nach einer Nierenlebendspende beziffern die Autoren auf 90 pro 10.000. Die Vergleichszahl bei gesunden Nichtspendern beziffern sie auf 14 pro 10.000. Das bedeutet, dass das Risiko durch eine Nierenlebendspende an einem Nierenversagen zu erkranken, um den Faktor 6,42 (90/14) gegenüber dem Risiko der Erkrankung ohne Spende steigt.

       

      Oder: Bei 76 Spendern (90 - 14) von 10.000 Menschen, die gesundheitlich für eine Spende geeignet wären, stellt sich durch die Nierenentnahme im Laufe der Zeit ein terminales Nierenversagen ein. Das ist ein Risiko von 0,76 % (7,6/10.000).

       

      Kommentare und Kritik von Dritten:

       

      "In einem begleitenden Editorial betonen Dr. John S. Gill von der University of British Columbia in Vancouver und Dr. Marcello Tonelli von der University of Alberta in Edmonton, dass diese Ergebnisse letztlich so beruhigend sind, dass es nicht notwendig ist, an der bisherigen Transplantationspraxis etwas zu ändern. In Aufklärungsgesprächen mit potenziellen Nierenlebendspendern sollte – anstelle das weniger aussagekräftige relative Risiko zu benennen – hervorgehoben werden, wie absolut gering ihr Risiko für eine terminale Niereninsuffizienz ist." (Quelle: http://www.medscapemedizin.de).

       

      Joel Topf, MD, von St. John Providence Health System in Farmington Hills, Michigan kritisiert, dass andere wichtige Einflussfaktoren nicht berücksichtigt wurden. Die meisten Nierenlebendspenden würden im familiären Rahmen durchgeführt. Außer bei Ehepartnern, würden Kinder, Eltern, Onkel, Geschwister, Nichten, Cousins ​​und Cousinen mögliche genetische Risiken für ein Nierenversagen teilen. Er vermutet daher, dass bei einer getrennten Untersuchung, das Risiko bei nicht blutsverwandten Spender/Empfänger-Paaren deutlich geringer ausfallen würde. (Quelle: http://www.medpagetoday.com).

       

      Prof. Dr. Jan-Christoph Galle von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie: „Die Ergebnisse von Muzaale und seinem Team sollten künftige Spender hinsichtlich der Sicherheit einer Nierenspende beruhigen. Fokussiert man sich zu sehr auf den Anstieg des relativen Risikos kann das insbesondere bei seltenen Endpunkten die Entscheidung übermäßig beeinflussen." (Quelle: http://www.medscapemedizin.de).

       

      Unser Kommentar:

       

      Richtig ist, dass das absolute Risiko laut dieser Studie nach einer Nierenlebendspende im Laufe der verbleibenden Lebenszeit an einem Nierenversagen zu erkranken gering ist (< 1 %). Die relative Zunahme des Risikos gegenüber dem Risiko vor der Spende ist hingegen signifikant (Faktor 6,4) und gehört in die Aufklärung. Wir teilen keineswegs die Auffassung einiger Mediziner, dass der Anstieg des relativen Risikos bei der Aufklärung nicht betont werden sollte. Je nach Gesamtkonstellation (Beziehungsart und -tiefe zwischen Spender und Empfänger, soziale Abhängigkeiten und Verantwortungen, Gesundheitszustand des möglichen Spenders) ist dieses nachgewiesene Risiko ein wichtiger Faktor für die individuelle Entscheidungsfindung.

       

      Auch juristisch ist eine klare Aufklärung erforderlich:

       

      Oberlandesgericht Köln AZ 5 U 180/05 Urteil vom 25.04.2007

      Umfassende Risikoaufklärung vor einer Operation

      Ein Patient muss umfassend über das Risiko einer Operation informiert werden. Wie hoch dieses Risiko ist, spielt dabei keine Rolle.

       

      Eine frühere Untersuchung von Fehrman-Ekholm et al., 2006 hat das ESRD-Risiko von Spendern sogar siebenmal höher als das der Normalbevölkerung eingeschätzt. Bei uns unter "Weiteres komprimiert ausgewertet - Nierenfunktion".

       

       

       

       

  • Long-term risks for kidney donors

     

    Langzeitrisiken von Nierenlebendspendern

     

    Quelle:

    Kidney International 86, 162-167 (July 2014) | doi:10.1038/ki.2013.460

     

     

    Geir Mjøen, Stein Hallan, Anders Hartmann, Aksel Foss, Karsten Midtvedt, Ole Øyen, Anna Reisæter, Per Pfeffer, Trond Jenssen, Torbjørn Leivestad, Pål- Dag Line, Magnus Øvrehus, Dag Olav Dale, Hege Pihlstrøm, Ingar Holme, Friedo W Dekker and Hallvard Holdaas

     

    Link: http://www.nature.com/ki/journal/v86/n1/full/ki2013460a.html

     

    Download Studie Mjøen et al.

    Download Kommentar Boudville and Garg

     

    Abstract:

    Previous studies have suggested that living kidney donors maintain long-term renal function and experience no increase in cardiovascular or all-cause mortality. However, most analyses have included control groups less healthy than the living donor population and have had relatively short follow-up periods. Here we compared long-term renal function and cardiovascular and all-cause mortality in living kidney donors compared with a control group of individuals who would have been eligible for donation. All-cause mortality, cardiovascular mortality, and end-stage renal disease (ESRD) was identified in 1901 individuals who donated a kidney during 1963 through 2007 with a median follow-up of 15.1 years. A control group of 32,621 potentially eligible kidney donors was selected, with a median follow-up of 24.9 years. Hazard ratio for all-cause death was significantly increased to 1.30 (95% confidence interval 1.11–1.52) for donors compared with controls. There was a significant corresponding increase in cardiovascular death to 1.40 (1.03–1.91), while the risk of ESRD was greatly and significantly increased to 11.38 (4.37–29.6). The overall incidence of ESRD among donors was 302 cases per million and might have been influenced by hereditary factors. Immunological renal disease was the cause of ESRD in the donors. Thus, kidney donors are at increased long-term risk for ESRD, cardiovascular, and all-cause mortality compared with a control group of non-donors who would have been eligible for donation.

     

    Abstract (Deutsch):

    Frühere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Lebendnierenspender eine langfristige Nierenfunktion beibehalten und keine Zunahme der Herz-Kreislauf- oder Gesamtsterblichkeit erfahren. Allerdings haben die meisten Untersuchungen weniger gesunde Kontrollgruppen als die der Lebendnierenspender mit einbezogen und die Follow-Up-Zeiträume waren relativ kurz. Hier haben wir die langfristige Nierenfunktion und die Herz-Kreislauf- sowie die Gesamtsterblichkeit bei Nierenlebendspendern mit einer Kontrollgruppe von Personen verglichen, die für eine Spende geeignet gewesen wären. Die Faktoren Gesamtmortalität, Herz-Kreislauf-Sterblichkeit und terminale Niereninsuffizienz (ESRD) wurde bei 1.901 Personen erhoben, die 1963 bis 2007 mit einem medianen Follow-Up von 15,1 Jahren eine Niere gespendet haben. Es wurde eine Kontrollgruppe von 32.621 potentiell geeigneten Nierenlebendspendern ausgewählt mit einem medianen Follow-Up von 24,9 Jahren. Verglichen mit der Kontrollgruppe ist der Risiko-Quotient für die allgemeine Sterblichkeit der Spender signifikant auf 1.30 (95 % Konfindenzintervall 1,11 – 1,52) angestiegen. Es gab einen entsprechend signifikanten Anstieg von kardiovaskulären Todesfällen auf 1.40 (1.03 – 1.91), während das Risiko von ESRD außerordentlich signifikant auf 11.38 (4.37 – 29.6) angestiegen ist. Das Gesamtvorkommen von ESRD unter den Spendern betrug 302 Fälle je eine Million Personen und könnte möglicherweise durch erbliche Faktoren beeinflusst worden sein. Immunologische Nierenerkrankung war die Ursache von ESRD bei den Spendern. Damit besteht für Nierenlebendspender ein erhöhtes Langzeitrisiko für ESRD, Herz-Kreislauf- und Gesamtsterblichkeit im Vergleich zu der Kontrollgruppe von Nichtspendern, die für eine Spende geeignet gewesen wären.

     

    Kommentar:

    Immer wieder wird behauptet, dass Nierenlebendspender kein erhöhtes Risiko für ein späteres Nierenversagen haben, als "andere Menschen" (z. B. hier). Die hier vorliegende Studie führt diese Behauptung endlich eindeutig ad absurdum. Schon der immer wieder auftauchende Vergleich mit der "Normalbevölkerung" ist wissenschaftlich ein grober Fehler. Wie schon in der Studie von Muzaale et al (eine Seite zurück), zeigt sich, dass beim richtigen Verleich mit gesunden, spendenfähigen Menschen, das Ergebnis erschütternd ist. In der hier vorliegenden Studie, steigt das Risiko für Nierenlebendspender an terminalem Nierenversagen zu erkranken und selbst dialysepflichtig zu werden um den Faktor 11,38 gegenüber gesunden Menschen. Das ist alamierend. Dass dies tatsächlich passiert, zeigt das Schicksal des Nierenlebendspenders Lamnauar Bijjou, über den die Süddeutsche Zeitung am 10. Mai 2014 berichtete.

     

     

     

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