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Auswahl, Aufklärung, medizinische &
versicherungsrechtl. Absicherung

Wir möchten die Nierenlebendspende nicht abschaffen. Sie ist für nierenkranke Patienten eine mögliche Behandlungsoption, neben der Dialyse und der postmortalen Spende. Wir halten sie für einen in Ausnahmefällen gangbaren Weg, um einem kranken, dem Spender nahestehenden Menschen zu helfen. Gemäß unserem Leitbild kommt die Nierenlebendspende jedoch nur unter den dort beschrieben Voraussetzungen in Betracht. Sie ist keine Standardlösung.

Wir fordern

 

 

1. die Aufklärung über die tatsächlichen Risiken, denn

  • Leistungsminderung, frühere Ermüdbarkeit und möglicherweise auftretende fatigueartige Symptome sind aufklärungspflichtig. Dies ist besonders für körperlich und / oder geistig anspruchsvoll tätige Menschen wichtig zu wissen.
  • Am 29.01.2019 hat der Bundesgerichtshof in zwei Klageverfahren zur Aufklärung bei Nierenlebendspenden historische Urteile gefällt. Spender können nicht auf Aufklärung verzichten. Es ist über alle möglichen Risiken aufzuklären, denn die oftmals emotional belasteten Lebendspender sind "vor sich selbst zu schützen". Aufklärende Mediziner können sich bei der Organlebendspende nicht mehr auf die sogenannte "hypothetische Einwilligung" berufen. Mit diesen Urteilen wird eine zentrale Forderung von uns höchstrichterlich bestätigt!

 

 

2. die Evaluation (Auswahl/Bewertung) der Spender unter Berücksichtigung von limitierenden gesundheitlichen und sozialen Aspekten durchzuführen. Im Einzelnen fordern wir daher

  • dass medizisch zu erwarten sein muss, dass der Spender nach der Spende noch über eine Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) von deutlich über 60 ml/min verfügt. Dies bedeutet, dass die GFR vor der Spende mindestens 86 ml/min betragen muss. Wir empfehlen ausdrücklich mindestens eine GFR von 100 ml/min, siehe auch hier.
  • dass die genetische Veranlagung jedes Spenders hinsichtlich einer Homocysteinindikation (Homocystein = HCY) vor der Spende geprüft wird und Menschen mit erhöhtem HCY im Blut von der Spende ausgeschlossen werden, weil die langfristige kardiovaskuläre HCY-Wirkung bekannt ist, darüber hinaus HCY im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen steht und damit ein nicht kalkulierbares Risiko bedeutet. Spender mit HCY-Normwerten vor der Spende müssen auf die möglichen Folgen ansteigender HCY-Werte hingewiesen werden. Mehr Informationen z. B. bei der Homocystein Netzwerk.
  • dass potentielle Spender mit einer abgelaufenen Epstein-Barr-Virus-Infektion (EBV) auf die möglichen Folgen durch die Nierenlebendspende hingeweisen werden. Durch den verminderten Immunschutz kann sich das Virus mit teilweise dramatischen Folgen ungehemmt ausbreiten. Ab dem 40. Lebensjahr sind ca. 98 % der Menschen mit EBV infiziert.
  • dass Spender und Empfänger auf den CMV-Virus geprüft und auf die Risiken hingeweisen werden.
  • dass bei der Evaluation die beruflichen und sozialen Lebensumstände der Spender hinsichtlich existentieller Konsequenzen geprüft werden und Spender deutlich auf die möglichen Einschränkungen hingewiesen werden. Siehe auch unsere Evaluationsempfehlungen.

 

 

3. die Spender umfassend medizinisch zu betreuen und

  • die medizinische Versorgung der Spender vor und nach der Spende sicherzustellen, indem der Spender als Patient begriffen wird.
  • Reha-Maßnahmen nach der Spende zur Minimierung der OP-Folgen (Depressionen, auftretende Fatigue-Symptome etc.) obligatorisch durchzuführen.
  • die bisherigen Spender, die unter den Folgen der Spende leiden, nicht länger abzuweisen, sondern angemessen medizinisch und versicherungsrechtlich zu versorgen, so wie es § 12a i. V. m. § 213 (4) SGB VII seit dem 01. August 2012 vorsieht.

 

 

4. die Spender versicherungsrechtlich komplett abzusichern, im Einzelnen

  • 100 % Lohnersatz bis zur vollständigen Genesung ohne zeitliche Begrenzung.
  • obligatorische Rehabilitationsmaßnahmen (REHA) bzw. Anschlussheilbehandlungen (AHB).
  • komplette und unbürokratische Kostenübernahme für sämtliche Folgeerkrankungen, § 12a SGB VII.
  • später auftretende gesundheitliche Folgen sind im Zweifel als Resultat der Spende anzusehen (Beweislastumkehr), § 12a SGB VII.
  • bei eintretender (Teil-) Berufsunfähigkeit ist dem Spender lebenslang eine angemessene Rente zu zahlen, die die Differenz zum bisherigen Einkommen im Rahmen von Mindest- und Höchstbeträgen komplett ausgleicht.
  • die Unfallkassen anzuweisen, entsprechend der aktuellen Gesetzeslage (§ 213 (4) SGB VII) erkrankten Spendern unbürokratisch und umfassend Absicherung zu gewähren und nicht länger Anträge abzuwehren.

 

 

5. außerdem

  • die Harmlosigkeit der Nierenlebendspende nicht länger zu behaupten und die Nierenlebendspende gemäß unserem Leitbild als eine ausnahmsweise mögliche Behandlungsoption anzubieten.
  • die Förderung der Erforschung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen einer Nierenlebendspende und die Entwicklung von Behandlungsmethoden für auch schon jetzt betroffene Spender.
  • den Stopp bzw. Nichtzulassung der sogenannten Cross-Over- und der sogenannten Domino-Spende, der zwei oder mehr Paare mit jeweils einem Kranken über Kreuz oder in Reihe spenden. Nur die unmittelbare emotionale Verbundenheit (z. B. Eltern als Spender für ihre nierenkranke Kinder) zwischen Spender und Empfänger ermöglicht dem Spender mögliche Folgen zu ertragen. Der klinikbetreute Aufbau einer Beziehung zwischen den Paaren für eine Cross-Over-Spende, um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, führt in der Regel nicht zu der geforderten natürlich gewachsenen emotionalen Verbundenheit.
  • das Subsidiaritätsprinzip gem. § 8 (1) Nr. 3 TPG, welches den Vorrang einer möglichen postmortalen Spende vor der Lebendspende sichert, strikt zu beachten. Der Schutz des möglichen Spenders ist höher zu bewerten, als die begrenzte Organlebensdauer nach Lebendspende.
  • dass Spender ein Mindestalter haben müssen. Die hohen Risiken und die statistisch verminderte Lebenserwartung des Spenders sind zu berücksichtigen.
  • Die Einrichtung einer unabhängigen Risiko- und Konfliktberatungstelle, der frei von Eigeninteressen auf Basis der Daten aus Evaluation, Ethikkommission und Lebensumständen eine Entscheidungsempfehlung ausspricht. Wir bieten dies bereits an.
  • die Bestrebungen die anonyme Nierenlebendspende zuzulassen zu unterbinden. Dies gilt auch für Diskussionen über Organbörsen. Dies widerspricht zutiefst dem Charakter der Spende als „verschenkte Gesundheit“. Ein Stück Gesundheit zu verschenken, kann nur von Angesicht zu Angesicht ethisch vertretbar sein.
  • den Organhandel, der in vielen Ländern die wirtschaftliche Not gesunder Menschen ausnutzt und sie in die unversorgte Krankheit entlässt, als schwerstkriminell zu brandmarken und international zu bekämpfen. Lesen Sie hier unsere offizielle Vereinsposition zum Organhandel, beschlossen am 07. März 2015.

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