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Neulich beim Arzt

Bericht einer Nierenlebendspenderin


Zuerst fand ein Gespräch statt, ich durfte meine Beschwerden schildern.

Narbenprobleme, vorne und hinten wo die Niere war, Stechen beim Einatmen. Er hat mich gefragt wie mein Schmerzempfinden auf einer Skala von eins bis zehn wäre. Meine Antwort: Drei, aber andauernder Schmerz und bei Blähungen schlimmer. Mh, wie bewertet man Schmerzen? Ich denke jetzt man empfindet Schmerzen von Tag zu Tag anders!

Darauf folgte eine Untersuchung meiner Beweglichkeit.

Er hat getestet, ob ich mich Bücken kann und hat meine Beweglichkeit gecheckt.

Er meinte, wenn ich wieder mit Bewegung anfangen würde, würde die Beweglichkeit sicher besser werden. Ich habe geantwortet, dass ich tue, zu was ich in der Lage bin. Nur, dass mich mein Körper in Schranken weist, dass ich ein Mensch mit Bewegungsdrang bin. Aber, dass ich nun bei geringster körperlicher Anstrengung ermüde, dass ich solch eine Erschöpfung nicht mal nach extremem Sport kenne. Bei Ermüdung nach dem Sport hat mein Kopf noch funktioniert, ich habe gut geschlafen, habe eventuell meine Knochen gespürt, war aber nie so erschöpft, wie ich es nun dauernd bin. Ich bin muskelschlapp, habe bei langem Sitzen Probleme und habe oft sehr starke Schmerzen.

Ich habe erwähnt, dass ich bereits zwei Mal nachoperiert wurde. Er hat mich gefragt wie ich psychisch mit der Narbe zurechtkomme. Ich habe geantwortet, dass ich schlecht damit zurechtkomme.

Dann die Frage wie das Verhältnis zu meinem Partner ist. Meine Antwort war, dass wir eine sehr enge Bindung haben und viel reden. Zwischen uns würde es passen, aber dass mein Partner sich Sorgen wegen meiner Erschöpfung macht.

Dann die Frage wie sich Müdigkeit im Beruf äußert.

Ich habe beschrieben, dass ich andauernd Kopfschmerzen habe, dass mir schlecht ist und dass ich elend müde bin und mich extrem schlecht konzentrieren kann. Dies würde sich an meiner Fehlerquote im Beruf bemerkbar machen.

Seine Frage dann: „Sie können sich schlecht konzentrieren, weil sie mit den Gedanken wo anders sind?“ Meine Antwort: „Nein, weil ich müde bin und Kopfschmerzen habe.“

Frage nach der Medikation und Schmerzmitteleinnahme…. Frage nach meinem Schlafverhalten. Ich habe geschildert, dass ich 16 Stunden wie bewusstlos durchschlafen kann. Frage nach sonstigen Erkrankungen. Ich sagte bis zur Spende hätte mir nichts gefehlt. Er sagte dann, es muss nicht unbedingt mit der Spende zusammenhängen. Meine Gegenfrage: „Wieso kommt eigentlich immer alles in Frage nur die Spende an sich nicht?“. Er sagte, er hätte das Gefühl, ich würde mit der Situation psychisch schlecht zurechtkommen. Ob ich denn nicht psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen wollen würde.

Ich habe gesagt, dass ich mich durchaus so stark fühle, dass ich mit schwierigen Lebenssituationen gut zurecht komme, aber dass mich natürlich die Situation an sich belastet und vor allem die vielen Arztbesuche und die Art wie ich von Ärzten behandelt werde.

Ich habe gefragt wie er sich fühlen würde, wenn er nur noch schlafen würde und keinen Sport mehr machen könnte und um seine Existenz fürchten müsse.

Da mir diese Fragerei vor allem das Abdrängen in die Psychoecke ziemlich zugesetzt hat, habe ich natürlich irgendwann wirklich das Heulen angefangen.

Er sagte dann: "Ja wissen Sie, das Ganze ist wissenschaftlich ja nicht gestützt."

Er hatte Fatigue-Studien vorliegen! Ich habe dann gesagt, dass die Studien aber beweisen würden, dass es tatsächlich diese Müdigkeit nach der Spende gibt und dass sie häufig vorkommt.

Ich habe gesagt mein GFR wäre bei 53, ich sei vom Wert Niereninsuffizienz Stufe III, hier würde bei Nierenkranken ja auch anerkannt, dass es zu solchen Symptomen kommen kann. Ja, er müsse sich überlegen wie er weiter vorgeht. Er möchte dass ich zum Nervenarzt gehe. Ich sagte, dass ich das aber nicht möchte.

Er fragte mich noch was das schlimmere Problem wäre - die Narbe oder die Müdigkeit. Meine Antwort war die Müdigkeit, weil meine Existenz davon abhängt, wenn ich meinen Job verliere.

Es folgte eine Lungenuntersuchung, ein Belastungs-EKG, eine Sonographie der Schilddrüse, der Niere, der Narbe und vom Herzen. Laut Sono waren die Organfunktionen in Ordnung. Er wollte das Labor abwarten und würde sich Gedanken machen.

Erneut sagte er, dass er glaube, mich würde die Situation schwer belasten und ich solle neurologische Hilfe in Anspruch nehmen. Ich habe gesagt: „Wenn mich etwas wirklich psychisch belastet, sind es die Ärzte und die Art, wie man behandelt wird“.

Die Frage ist, wer psychologische Hilfe braucht... Ich tippe auf Ärzte in ihrem grenzenlosen Ego-Wahn. Sie reden sich ein „gut zu sein“ und glauben noch daran, wenn noch so viel schief geht.

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